Im Blickpunkt: Gott verzeiht, die Erde nie

Von Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.

Staatschefs und Präsidenten geben sich im Vatikan derzeit die Klinke in die Hand. Franziskus ist ein gefragter Gesprächspartner der großen Politik. Am Mittwoch kommt Wladimir Putin. Zum zweiten Mal. Hoffentlich nicht wieder mit einer Verspätung von fünfzig Minuten zuletzt im Herbst 2013. Dass der Papst ein Mekka der Regierenden und Staatslenker ist, erklärt wohl auch das hohe Interesse an der kommenden Enzyklika von Franziskus, die der Umwelt gewidmet sein wird. Es wurde so viel über deren Erscheinen spekuliert, dass der Vatikan jetzt zum ersten Mal das Datum der Veröffentlichung einer Enzyklika bekannt gegeben hat: „Laudato si“ – so der Titel, wie der Chef des Vatikan-Verlags meinte – kommt am 18. Juni heraus. „Laudato si“, „Gelobt seist Du“, heißt es ziemlich am Anfang des Sonnengesang des heiligen Franziskus. Aber es steht zu erwarten, dass der Franziskus von heute nicht nur über seinen Papstnamens-Patron geschrieben hat. Auch die Übersetzungen müssten inzwischen fertig sein. Das Schreiben geht jetzt in Druck.

Es ist die erste Enzyklika, die allein unter der Regie von Papst Franziskus entstanden ist. Die erste, „Lumen fidei“ vom Juni 2013, trug noch ganz die Handschrift von Benedikt XVI. Da die Verkündigung von Franziskus vor allem im Ermahnen und Zurechtweisen besteht – bei Klerikern und Monsignori im violetten und roten Gewand nutzt er auch gerne die rhetorische Peitsche –, war sein nächstes großes Schreiben eine Apostolische Exhortation, eine Ermahnung. Vieles, was er in „Evangelii gaudium“ geschrieben hat, hatte er vorher bereits bei seinen Predigten während der Frühmesse in Santa Marta formuliert. Und so dürfte auch jetzt in „Laudato si“ vieles wiederzufinden sein, was man von Franziskus schon gehört hat. So zum Beispiel der Satz: „Gott verzeiht immer, die Beleidigungen, die Missbräuche. Die Menschen verzeihen hin und wieder. Die Erde verzeiht nie!“ Und deswegen müsse man „die Schwester Erde, die Mutter Erde schützen, damit sie nicht mit der Zerstörung antwortet“.

Ein anderer Gedanke von Franziskus: Die Erde, die Natur, sei kein Erbe, das die Generationen von ihrer jeweiligen Elterngeneration erhalten habe, sondern ein „Darlehen, das uns die Kinder gewähren, damit wir es bewahren und weiter entwickeln, um es ihnen zurückzugeben. Die Erde ist großzügig und lässt es denen an nichts fehlen, die sie schützen.“ Es wird wieder, wie bei Benedikt XVI., eine „humane“, keine ideologische Ökologie sein, zu der der Papst ermahnt. Eine umfassende Ökologie. Die nicht – wie zum Beispiel bei den Themen des Lebensschutzes – auf einem Auge blind ist.

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