Im Blickpunkt: Franziskanisches Bischofsprofil

Von Stephan Baier

Eine Bischofs-Kür, die ganz deutlich die Handschrift von Papst Franziskus trägt: Auf die Kathedra von Salzburg, des nach Köln ältesten Erzbischofsstuhles im deutschen Sprachraum, wird ein Franziskaner berufen, ein Mann, der durch seine Herkunft die von Franziskus gewünschte „arme Kirche für die Armen“ verkörpert, und in seinem ganzen Wesen das Gehen an die Ränder der Gesellschaft. Der bisherige Grazer Weihbischof Franz Lackner stammt aus ärmlichsten Verhältnissen. Sein Weg und seine Karriere sind beeindruckend: Ein steirischer Schulabbrecher, der es bis zum Philosophieprofessor an einer römischen Universität bringt, ein Elektrikerlehrling, der zum Erzbischof berufen wird, ein Franziskanerpater, der auf dem Bischofsstuhl einstiger Fürstbischöfe Platz nimmt, der muss wohl ein Geheimnis haben. Das „Geheimnis“ des künftigen Erzbischofs von Salzburg heißt Bekehrung: Als junger Blauhelm-Soldat auf Zypern hat er mit Leidenschaft den Sinn des Lebens gesucht – und ihn in Gott gefunden. Das ist es, was ihn trägt, zunächst ins Ordensleben im Geist des Franziskus von Assisi und zur Philosophie, dann ins Bischofsamt, das er vor elf Jahren schweren Herzens im Gehorsam annahm, und jetzt also als „Primas Germaniae“ nach Salzburg.

Der römische Dreiervorschlag, aus dem das Salzburger Domkapitel am Sonntag wählte und der zu Wochenbeginn bekannt wurde, lässt aber weitere Rückschlüsse darauf zu, wie man im Vatikan die Kirche in Österreich sieht. Drei Ordensleute sollen auf der Liste gestanden sein: Neben dem Franziskaner Lackner der Zisterzienser Karl Wallner und der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der den Oblaten des Franz von Sales angehört. In einer Zeit schmerzlichen Priestermangels bieten die Orden in „Klösterreich“ immer noch eine beeindruckend starke Personalreserve. So ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, Dominikaner, und der bisherige Salzburger Metropolit Alois Kothgasser Salesianer.

Gemeinsam ist den geistlichen Herren auf dem Salzburger Dreiervorschlag aber auch, dass alle drei an der Hochschule in Heiligenkreuz dozieren: Andreas Laun lehrt Moraltheologie, Franz Lackner Philosophie und Hochschulrektor Karl Wallner Dogmatik. Kein Zweifel, dass angesichts der geistlichen Versteppung in Mitteleuropa Oasen wie das Stift und die Hochschule Heiligenkreuz auffallen: den jungen Menschen auf der Suche nach Lebenssinn und Berufung ebenso wie dem Papst und seinen Mitarbeitern auf der Suche nach guten Bischöfen.

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