Im Blickpunkt: Entweltlichung bei Weltbild

Es ist die Frage, ob das Pornoangebot beim bischöflichen Weltbild-Verlag darauf zurückzuführen ist, dass einige Filter im Internet versagt haben. Die Schnelligkeit, mit der die entsprechenden kirchlichen Stellen auf den Bericht des Branchenmagazins „buchreport“ reagiert haben, lässt zumindest vermuten, dass man das sofort und umfassend klären will. Aber allein die Fünfzig-Prozent-Beteiligung des bischöflichen Weltbild-Verlags bei Droemer-Knaur zeigt, dass hier nicht nur irgendwelche Filter schlüpfrig geworden sein könnten. Der Fehler steckt vielleicht im System. Droemer-Knaur verlegt nicht nur buddhistische Literatur, sondern auch knallharten Sex und Erotik. Da geht es nicht darum, eine gewisse Literatur für gewisse Kunden „vorzuhalten“, da wird vielmehr selber produziert. Die Bischöfe werden darlegen müssen, wie man das nach außen rechtfertigen kann. Denn Übelmeinende könnten jederzeit den Vorwurf erheben, die katholische Kirche in Deutschland sei am lukrativen Porno-Geschäft beteiligt. In einer Zeit, in der man nach jedem Strohhalm greift, mit dem man die Kirche kitzeln kann, sollten solche breiten Angriffsflächen vermieden werden. Die Deutsche Bischofskonferenz verfügt über genügend Medienkompetenz, um das umfassend zu prüfen.

Ein weiterer Aspekt geht aber tiefer. Da kam der Papst nach Deutschland und wies auf einen Überhang an Strukturen der Kirche in Deutschland hin – bei einem gleichzeitigen Mangel an Geist und Glauben im Inneren. Die Kirche habe sich zur sehr der Welt angepasst. In Freiburg mahnte Benedikt XVI. deshalb eine „Entweltlichung“ an. Daraufhin setzte in kirchlichen Kreisen ein gewisses Raunen ein. Man rieb sich an dem Begriff Entweltlichung. Solle sich die Kirche jetzt aus ihrer Verantwortung für Gesellschaft zurückziehen? Nein, das hatte der Papst nicht gesagt. Will er vielleicht, dass in Deutschland die Kirchensteuer abgeschafft wird? Nun, die Bischöfe werden genug Gelegenheit haben, da nochmals beim Papst nachzufragen. Aber sind die Porno-Produkte bei Weltbild und Droemer-Knaur nicht das anschaulichste Beispiel dafür, wie man die Rede des Papstes von der anstehenden „Entweltlichung“ richtig interpretieren kann? Wäre es nicht angemessener, dass die Bischöfe mit gut gemachter religiöser Literatur ihr Geld verdienen? Und muss man immer Geld verdienen? Kann man nicht einmal katholische Klassiker wieder neu auflegen? Oder Kirchensteuerzahlern eine „Mitgliederzeitschrift“ zur Verfügung stellen, in der sie sehr mehr über die Kirche erfahren? Die Rede des Papstes von der „Entweltlichung“ war nicht abstrakt, sondern sehr konkret.

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