Im Blickpunkt: Ein Sieg der Vernunft

Ein katholisches Jungengymnasium in Potsdam ist seit Mittwoch wieder denkbar. Der lange Atem der Fördergemeinschaft gegenüber dem Land Brandenburg hat sich gelohnt: Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die Gründung eines katholischen Jungengymnasiums rechtens ist und bestätigte zugleich das Recht freier Träger, nach Jungen und Mädchen getrennte Schulen zu unterhalten.

Das Recht auf monoedukative Erziehung wird derzeit auch von katholischen Schulen immer seltener wahrgenommen. Ausschlaggebend dafür sind keine pädagogischen Gründe, sondern der demografische Wandel. Auch in traditionell katholisch geprägten ländlichen Gegenden fehlen die Kinder. Trotz exzellenten Rufs und überdurchschnittlicher Bewerberzahlen haben daher viele katholische Einrichtungen der Not gehorchend auf koedukative Erziehung umgesattelt. Für die Vielfalt in der Schullandschaft bedeutet das einen Verlust. Erfahrungsgemäß lernen viele Jungen in den sprachlichen Fächern besser, wenn sie unter sich sind. Für Mädchen gilt in den Naturwissenschaften das Gleiche. Wenn in Zukunft nicht mehr Kinder geboren werden, stellen private Jungen- und Mädchenschulen in einigen Jahren ein privilegiertes Bildungsangebot an, das sich nur noch in städtischen Ballungsgebieten aufrechterhalten lässt.

Auch die Potsdamer Fördergemeinschaft hat gute Erfahrungen mit der monoedukativen Schulbildung gemacht. In Jülich trägt sie seit Jahren ein Mädchengymnasium, das zu den besten Schulen Nordrhein-Westfalens gehört. Daran will die Potsdamer Schule anknüpfen – mit mehr naturwissenschaftlichen Angeboten und mehr Zeit für Sport. Im Eifer der durchaus genderbewegten Berichterstattung über das Opus Dei ging in Potsdam unter, dass die geplante Schule auch Ungetauften und Jugendlichen anderer Religionen offenstehen soll. Der Vorwurf einer drohenden Indoktrinierung trifft zweifellos nicht zu. Als zweizügige Schule von Klasse sieben bis zwölf für etwa dreihundert Schüler ausgelegt, ist das Angebot überschaubar – aber eben doch ein farbiger Mosaikstein im Spektrum der Bildungseinrichtungen rund um die Hauptstadt. Als Prüfstein für die Toleranz der Multi-Kulti-Gesellschaft bedeutet das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes einen Sieg der Vernunft. Versäumt die Politik, dem Interesse christlicher Wähler an Privatschulen Rechnung zu tragen, wird sie morgen vielleicht von ihren muslimischen Wählern daran erinnert.

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