Im Blickpunkt: Der Papst in Gefahr

Pünktlich zu Ostern und pünktlich zum fünften Jahrestag des Angriffs der „Koalition der Willigen“ auf den Irak Saddam Husseins hat sich der meistgesuchte Terrorist der Welt, Osama Bin Laden, mit einer Drohbotschaft zu Wort gemeldet. Eine fünfminütige Stimmaufzeichnung im Internet, dazu ein Standbild, das den El Kaida-Chef mit Waffe zeigt. Adressat seiner Worte sind die „Weisen“, die Intellektuellen in der Europäischen Union. Ausdrücklich jedoch beschuldigt er den Papst, an einem Plan zur Dämonisierung des Islam beteiligt zu sein.

Nachdem der Vatikan zahlreiche Bemühungen unternommen hat, die Beziehungen zur muslimischen Welt zu festigen und dabei auf ein positives Echo gestoßen ist, so dass vor kurzem in Rom die Gründung eines Islamisch-Katholischen-Forums bekanntgegeben werden konnte, ist dieser Vorwurf umso beunruhigender. Bin Laden weiß offenbar nicht, was im Dialog der Religionen vor sich geht. Oder er will es nicht wissen. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn nicht tausende gewaltbereiter Dschihadisten hinter ihm stünden. Und ausgeschlossen ist es nicht, dass sich der eine oder andere von ihnen bis auf wenige Meter an den Papst heranarbeiten kann.

Bin Laden droht den Europäern mit einer harten Bestrafung wegen der erneuten Veröffentlichung der zuerst in Dänemark erschienenen Mohammed-Karikaturen. „Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört“, warnt der Terrorchef unverhohlen. Dänische Zeitungen hatten die Cartoons Anfang Februar erneut abgedruckt, nachdem die Polizei ein Attentat mit islamistischem Hintergrund auf den Zeichner der Karikaturen verhindern konnte. Jedoch ausgerechnet der Vatikan hatte die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen verurteilt. In einer offiziellen Stellungnahme des Pressesaals des Heiligen Stuhls vom 4. Februar hieß es: „Das Recht auf Gedanken- und Meinungsfreiheit, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekräftigt wird, beinhaltet nicht das Recht, die religiösen Gefühle der Gläubigen zu verletzen.“ Dieser Grundsatz gelte „selbstverständlich für alle Religionen“. Darüber hinaus zeugten solche Formen von übertriebener Kritik oder Spott über andere von einem Mangel an menschlichem Feingefühl und könnten in manchen Fällen eine unzumutbare Provokation bedeuten. „Die Geschichte lehrt uns, dass die Wunden im Leben der Völker nicht auf einem solchen Weg geheilt werden.“ Rom hat sich im Cartoonstreit hinter die Muslime gestellt. Bin Laden aber interessiert das nicht. Der Papst ist in Gefahr. Guido Horst

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