Im Blickpunkt: Der Papst der Entweltlichung

Von Guido Horst
Foto: dpa | Papst Franziskus.
Foto: dpa | Papst Franziskus.

Das nennt man Kontinuität: Da hatte Benedikt XVI. das Diktum von der Entweltlichung der Kirche in die Welt gesetzt. Und jetzt kommt ein Nachfolger, der dieses Programm umsetzen will. Papst Franziskus ist entschlossen, dem weltlichen Denken, dem „mondänen Geist“ im Vatikan, wie er ihn nennt, ein Ende zu bereiten. Nicht nur im Vatikan. Dafür hat Papst Franziskus jetzt zu oft davon gesprochen, dass die Kirche der weltlichen Logik entsagen muss. Kein Zweifel: Jorge Mario Bergoglio ist ein Mann, der Joseph Ratzinger verstanden hat.

Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang über die deutsche Sichtweise der geforderten Entweltlichung hinauszuschauen. Man hatte das Diktum von Benedikt XVI. – auch in Bischofskreisen – oft so verstanden, als solle sich die Kirche aus der Welt zurückziehen. Und – mit Blick auf Deutschland – auf die Segnungen eines kirchensteuerfinanzierten Apparats verzichten, der der Kirche Jahr für Jahr Millionenbeträge sichert. Aber darum geht es nicht. Für Papst Franziskus ist es wichtig, dass die Botschaft des Evangeliums wieder bei den Menschen ankommt – und nicht nur ein Steuerbescheid irgendeiner Kirchenfinanzbehörde. Damit das geschieht, muss man zu den Menschen hingehen. Auch an die Peripherie, wie Papst Bergoglio sagt – womit er nicht nur geografische Bezirke meint, sondern die Orte, wo auch das Sündhafte, das Schlechte, das Gottferne auf die Jünger des Evangeliums wartet. Franziskus spricht überraschend oft vom Teufel. Er sieht den Kampf zwischen Gut und Böse – in der Welt, und in den Seelen der Menschen. Damit die Kirche in diesem Kampf die Sache Gottes vertritt, muss sie sich auf ihre eigentliche Mission besinnen. Es ist genau das Konzept, das Benedikt XVI. immer vertreten hat, wenn er von der „immer zu reformierenden Kirche“ sprach: Die Wegnahme des Überflüssigen, damit das Wesentliche zum Vorschein kommt.

Die überraschend schnelle Einigung der Papstwähler auf Jorge Mario Bergoglio kam zustande, weil der Jesuit und Argentinier mit seiner kurzen Ansprache in der Generalkongregation der Kardinäle den richtigen Ton und den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Die Papstwähler wollten nicht, dass Franziskus alles anders macht als sein Vorgänger, sondern dessen Werk weiterführt. Franziskus hat denselben übernatürlichen Blick wie Benedikt. Ihn jetzt auf den Papst der ausgetretenen schwarzen Straßenschuhe und des blechernen Brustkreuzes zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Nur die weltlichen Beobachter sehen einen Bruch zwischen Bergoglio und Ratzinger. Die Augen des Glaubens sehen eine klare Kontinuität im Wesentlichen.

Themen & Autoren

Kirche