Im Blickpunkt: Der „Glaube“ ist das Stichwort

Von Regina Einig

Nach und nach kristallisiert sich ein erster Konsens für die Familiensynode im Herbst zur Frage heraus, wie die Kirche wiederverheirateten Geschiedenen in Zukunft entgegenkommen kann. Der Vorschlag von Papst Franziskus, an der Stellschraube der Ehenichtigkeitsverfahren zu drehen, ist von den Vertretern der geistlichen Bewegungen am Wochenende in Rom unterstützt worden. Eine „Scheidung auf katholisch“ will niemand. Sie könnte das Verständnis für die sakramentale Ehe nicht wecken. Schon jetzt gilt das Image von Ehenichtigkeitsverfahren als verbesserungsfähig. Vor allem die Katholiken in den Vereinigten Staaten, statistisch gesehen sind sie Spitzenreiter bei Eheverfahren, betrachten den Gang zum Offizialat nicht selten als sicheren Weg zur zweiten kirchlichen Eheschließung.

Einen wichtigen Hinweis für die Diskussionsführung hat Papst Franziskus in seiner Ansprache vor der Römischen Rota geliefert; Stichwort „Glaube“. Wenn die Kirche den Glauben gescheiterter Ehepartner berücksichtigt, um die Gültigkeit der sakramentalen Ehe zu bewerten, hat das Folgen für die ordentliche Seelsorge. Isoliert gesehen, käme eine neue Regelung einem glatten Missgriff gleich. Im ungünstigsten Fall sähen Katholiken, die in ihren Gemeinden an oberflächliche Formen der Sakramentenspendung gewöhnt worden sind, in dem Kriterium „fehlender Glaube“ einen Gummiparagrafen zur Eheannullierung. Auf Katecheten und Seelsorger fiele das wie ein Boomerang zurück. Viele leiden schon jetzt unter einer Debatte, die den Eindruck hinterlässt, als sorge sich die Kirche erst nach der Scheidung um das Seelenheil. Besser ist es, die Menschen vor der Trauung mit der Glaubensfrage zu konfrontieren. Im Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ hat Johannes Paul II. die Situation der Familien im 21. Jahrhundert punktgenau getroffen, als er das Recht auf religiöse Erziehung und Katechese unterstrich: „Dort, wo eine antireligiöse Gesetzgebung jede andere Form der Glaubenserziehung zu verhindern sucht oder wo verbreiteter Unglaube oder eine uferlose Verweltlichung ein wirksames Wachstum im Glauben praktisch unmöglich machen, bleibt die sogenannte Hauskirche der einzige Ort, an dem Kinder und Jugendliche eine echte Glaubensunterweisung erhalten können.“

In puncto Familie bedeutet es für die Kirche ein Kriterium ihrer Glaubwürdigkeit, wie sie sich der Sakramentenpastoral im Allgemeinen und der Ehevorbereitung im Besonderen stellt. Andernfalls bleibt von der Familiensynode nur heiße Luft.

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