Im Blickpunkt: Der Druck der Erwartungen

Von Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.
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Der dritte Bericht des deutschen Sprachzirkels auf der Synode (siehe S. 6) nimmt auch zu den stark debattierten Fragen der Pastoral wie etwa den Wiederverheirateten und der Kommunionzulassung Stellung. Die Bedeutung dieses Berichts ist eher eine „politische“: Er trägt die Unterschriften der Kardinäle Marx, Müller, Kasper, Koch und Schönborn. Um nur fünf Personen zu nennen, die bisher für unterschiedliche Positionen standen, bis sie dann in der deutschsprachigen Gruppe zusammensaßen und sich auf eine gemeinsame Erklärung einigen wollten. Sie hätten das auch bleiben lassen können. Aber sie suchten Gemeinsamkeiten. Was sie zum Ehekatechumenat für Verlobte oder zum „Forum internum“ formulierten, hat auf der Synode beachtlichen Widerhall gefunden. Worauf sie sich nicht einigen konnten – etwa dass Wiederverheiratete, die das Bußsakrament und die Eucharistie empfangen wollen, nach katholischer Lehre eine Josefsehe zu führen haben oder dass Beichte und Absolution mit dem Vorsatz verbunden sein müssen, sündhafte Taten nicht zu wiederholen –, das steht auch nicht in dem Text, zumindest nicht ausdrücklich. Der Präfekt der Glaubenskongregation jedenfalls und die aus Deutschland angereisten Synodalen haben sich auf Gemeinsamkeiten geeinigt. Was offen bleibt, geht als Materie für weitere Entscheidungen an den Papst.

Der hat indes noch zwei weitere Fässer aufgemacht. Auch die Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der römischen Synode war ein Akt der endenden Bischofsversammlung. Bei diesem Festakt hat Franziskus seinen Willen erklärt, das Prinzip der Synodalität im Leben der Kirche zu stärken, auf dem Weg einer „heilsamen Dezentralisierung“ voranzuschreiten – und eine Neuausrichtung des päpstlichen Primats zu unterstützen. Beides wurde zuletzt genauso stark diskutiert wie die sogenannten „Reformen“ in der kirchlichen Pastoral. Nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Gläubigen. Heruntergebrochen auf die Alltagsgespräche des normalen Publikums hat das für viele einen gesteigerten Erwartungsdruck zur Folge: Rom sei unter Papst Franziskus dabei, „sich zu bewegen“, Dinge zu ändern, das zu ermöglichen, was bisher nicht möglich war. Und wenn das nicht geschehe, liege es an den „Kräften der Beharrung“, die den angeblichen Reformkurs bremsen wollten. Wenn diese Lesart der römischen Entwicklungen die Stimmgabel der öffentlichen Wahrnehmung bleibt, ist dem eigentlichen Anliegen des Papstes, der Evangelisierung und Mission, kein Dienst erwiesen.

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