Im Blickpunkt: Der doppelte Franziskus

Von Guido Horst

Wieder ist alles anders: Mit einem Bus fahren Franziskus und mit ihm Kardinäle und Bischöfe der römischen Kurie morgen Nachmittag zu den Fastenexerzitien des Vatikans. Die Vorträge wird kein „Kirchenfürst“ halten, sondern ein einfacher römischer Pfarrer – in einem relativ bescheidenen und von Ordensfrauen geführten Haus in Ariccia südlich von Rom. Das hat noch keiner der Päpste vor Franziskus so gehalten. Das ist der Stil des Papstes „vom anderen Ende der Welt“. Ist dieser neue Stil auch mit neuen Inhalten verbunden, vor allem, was die Lehre der Kirche angeht? Nein. Da reicht es zu lesen, wie Franziskus jetzt gegenüber einer italienischen Zeitung die Enzyklika „Humanae vitae“ und Paul VI. als prophetischen Papst gepriesen hat (DT vom 6. März). In diesem Interview hat der Papst auch erklärt, dass heute die Familie als Keimzelle der Gesellschaft in weiten Teilen der Welt eine Krisenzeit durchlebt und die Kirche ihrer Wertschätzung der Ehe und der Familie auf zwei Bischofssynoden neuen Ausdruck verleihen will – natürlich auch vor dem Hintergrund, dass heute mehr Ehen und Familien scheitern, als das vor fünfzig Jahren noch der Fall gewesen ist. Zwei Synoden, bei denen manche Medien und eine gewisse, an den sogenannten „Reizthemen“ interessierte Öffentlichkeit innerhalb der Kirche sozusagen als Begleitmusik immer denselben Refrain intonieren werden: Dass sich bei Franziskus vom neuen Stil auch auf eine Neuausrichtung der katholischen Lehre schließen lässt, die er als „hidden agenda“, als „Geheimprogramm“ in seiner schwarzen Aktentasche mit sich trägt.

Kurz vor seinem Rücktritt hat Papst Benedikt XVI. vor Priestern seiner Diözese Rom über das Zweite Vatikanum gesprochen und unter anderem dargelegt, dass es damals, vor fünfzig Jahren, gewissermaßen zwei Konzilien gab: das Konzil der Väter und das Konzil der Medien. Und dass die Öffentlichkeit zunächst über die Medien erfahren hat, was die Väter angeblich wollten, bis sie dann später – wenn überhaupt noch – erfuhren, was das Konzil wirklich gelehrt hat.

Jetzt geht es nicht um ein Konzil, sondern um zwei Synoden zum Thema Familie, um die Reform der römischen Kurie und das große Projekt von Franziskus, der Kirche den mondänen Geist auszutreiben. Und wieder ist der Mechanismus der gleiche: Die Medien und manche innerkirchliche „pressure groups“ spekulieren, dass der Papst die Kirche auf den Kopf stellen will. Wenn man liest und hört, was der traditionell denkende Jesuit Franziskus wirklich sagt, will und tut, kann man nur sagen, dass es bei diesen Spekulanten irgendwann ein raues Erwachen geben wird.

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