Im Blickpunkt: Auf dem Prüfstand

Von Regina Einig
Foto: DT | Regina Einig.
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Ab Montag beraten die deutschen Bischöfe in Regensburg. Orientierung erwarten die Gläubigen über Grundlinien des Dialogprozesses. Zum einen hat die Debatte über das „Jahr des Glaubens“ gezeigt, wie unterschiedlich der Auftrag der „Neuevangelisierung“ mittlerweile interpretiert wird. Im Sprachgebrauch erscheint der Begriff wie eine Stopfgans, die jeder nach Gusto füllt. Optimistische Zeitgenossen buchen sogar die hiesigen Katholikentage unter dieser Rubrik ab. Möchte man dem Begriff „Neuevangelisierung“ das Schicksal des widersprüchlich besetzten Wortes „Ehe“ ersparen, bedarf es präziser Aussagen. Papst Benedikt hat dem Klerus der Stadt Rom am Donnerstag Verständnishilfen gegeben, als er das bevorstehende Jahr des Glaubens auch als „Jahr des Katechismus“ bezeichnete. „Wir erneuern das Konzil nur, wenn wir uns den Inhalt des Katechismus neu aneignen“, so Benedikt wörtlich. Im Vergleich zu dieser pointierten Sichtweise wirkt der bundesweite Dialogprozess noch sehr unausgegoren. Angesichts der Anregung, im Jahr des Glaubens intensiv im Katechismus zu lesen, möchten sich manche in Empörungsexerzitien zurückziehen. Der Katholikentag im Mai könnte sehr davon profitieren, wenn die Bischöfe Konzilserneuerung und Katechismus ähnlich klar herausstellen wie der Papst.

Auch in der Causa Weltbild dürfte die Entschlussfreude der Hirten auf den Prüfstand gestellt werden. Kardinal Marx hat im Vorfeld das entscheidende Stichwort gegeben, als er von „Trennung“ statt von „Verkauf“ sprach. Die Bischöfe haben zwar den Verkauf des Konzerns angekündigt. Doch berichten Medien mittlerweile auch von neuen Plänen. Nicht alles, was im November mit heißer Nadel gestrickt wurde, gilt heute noch als moralischer Imperativ. Mancher Hirte hält auch einen Konzernumbau für diskussionswürdig. Um die Qual der Wahl sind die Bischöfe nicht zu beneiden: Den alten Wein in neue Schläuche zu gießen würde die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigen. Ebenso wenig darf Weltbild seinen Müll gegen Bares auf den Halden anderer abladen. Mit einer Zerschlagung des Konzerns wäre vor allem der Gier der Schnäppchenjäger gedient. Kampfpreise und Konflikte mit den Gewerkschaften stünde der Kirche öffentlich nicht gut zu Gesicht: Sie wäre Partner eines Machtspiels. Vor allem aber zwänge der strauchelnde Euro zu einer raschen Reinvestition des Verkaufserlöses. Über die Anlage müsste man sich unter Zeitdruck verständigen. Setzen sich unter solchen Voraussetzungen die besten Köpfe durch oder die stärksten Ellbogen?

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