Im Blickpunkt: Als der Papst sich ärgerte

Von Guido Horst

Regelrecht „geärgert“ habe er sich, sagte Papst Franziskus vor den mitfliegenden Journalisten bei der Rückkehr von Armenien nach Rom im Juni vergangenen Jahres, als er in den Zeitungen die Nachricht gelesen habe: „Die Kirche öffnet die Tür für Diakoninnen!“ Dabei habe er ja nur bei einer Audienz für Ordensfrauen zugesagt, eine Expertenkommission einzuberufen, die Frühformen eines möglichen Diakonendienstes von Frauen in der jungen Kirche untersuchen soll. Der Papst fügte bei der Gelegenheit hinzu, es gebe „bereits eine Studie, die die Internationale theologische Kommission in den achtziger Jahren gemacht hat.“ Es werde also nicht schwer sein, „Licht in diese Angelegenheit zu bringen“. Da in den letzten Jahrzehnten kaum neue historische Quellen zu diesem Thema aufgetaucht sind, dürfte sich die Voraussage von Franziskus auch bewahrheiten. Aber „Diakoninnen“, so musste auch der Papst erfahren, ist eines von den Stichworten, das manche Medien sofort zum Spekulieren bringt.

Dass an solchen Spekulationen nichts dran ist und die Öffnung des Diakonats für Frauen eine „Reform“ ist, die man dem Jesuitenpapst gerne anhängt, ohne dass es dafür irgendwelche Belege gibt, ist in Rom eine Binsenwahrheit. Wenn man in Kurienkreisen fragt, warum die Einführung des Amts der Diakoninnen auszuschließen sei, wird einem geantwortet, dass der Diakonat in das dreistufige Weiheamt eingebettet ist, was gerade das Zweite Vatikanische Konzil vertieft und wieder ausdrücklich formuliert hat. Und das Weiheamt sei und bleibe in der katholischen Kirche dem Mann vorbehalten, der am Altar Jesus Christus repräsentiere, der eben ein Mann gewesen sei. Ein Kurienkardinal fügte jetzt hinzu, wenn man einmal die Frauen zum Diakonenamt zulasse, sei kaum noch zu erklären, warum man ihnen dann die Priesterweihe verweigern könne. Auch wenn dann manche hinzufügen, dass es vielen, die vor allem im deutschsprachigen Raum nach Diakoninnen rufen, letztlich darum gehe: die grundsätzliche Frauenordination – auch für das Priesteramt. Der Ruf nach Diakoninnen unter Berufung auf angebliche Reformpläne von Papst Franziskus ist eine der vielen Scheinfragen, mit denen man die innerkirchliche Debatte um wirklich anstehende Reformen – Entweltlichung und ein Neuaufbruch der Katechese – lähmt und nach außen falsche Erwartungen weckt. Dass aber irgendwie die Zeit gekommen sei, die Lehren des jüngsten Konzils auszuhöhlen und auf den Kopf zu stellen, ist damit überhaupt nicht gesagt.

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