Frankfurt/Peking/Vatikanstadt

IGFM fordert Veröffentlichung des Vatikan-China-Abkommens

Nur ein veröffentlichtes Abkommen schafft Klarheit, was die Vertragsparteien tatsächlich vereinbart haben, meint die IGFM und betont: Chinas Christen stehen trotz der Vereinbarung weiter massiv unter Druck.

China und der Vatikan
Seit 1951 unterhalten der Vatikan und China keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mehr. Foto: Oliver Berg (dpa)

Vor einer Verlängerung des vorläufigen Abkommens des Heiligen Stuhls mit der Volksrepublik China hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gewarnt und zugleich die Veröffentlichung des Vertragstextes gefordert. „Nur ein veröffentlichtes Abkommen schafft Klarheit, was die Vertragsparteien tatsächlich vereinbart haben. Bereits in Hongkong erweist sich die Pekinger Führung als schamlos vertragsbrüchig“, betonte der IGFM-Vorsitzender Edgar Lamm. 

Abkommen steht vor Verlängerung

Das Abkommen sollte den Konflikt zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und dem Vatikan beenden. „Es hat aber zu einem Konflikt innerhalb der Kirche geführt und das internationale Ansehen der Kirche schwer beschädigt. Trotz des Abkommens stehen die Christen Chinas weiterhin unter starkem Druck“, erklärte die in Frankfurt am Main ansässige Menschenrechtsorganisation. 

Das Abkommen läuft am 22. September dieses Jahres aus und dürfte nach Einschätzung von Experten vor einer Verlängerung stehen. Einem Bericht der chinesischen Parteizeitung  „Global Times“ zufolge ist der Vatikan entschlossen, das Abkommen mit der Volksrepublik zu erneuern. Die derzeitigen Verhandlungen seien „ein Beweis dafür, dass das Rahmenabkommen in den vergangenen zwei Jahren gut funktioniert“ habe, heißt es in dem Bericht. 

Seit 1951 unterhalten der Vatikan und China keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mehr. In den vergangenen Jahrzehnten war es wegen von Peking beeinflussten Bischofsernennungen und der Verfolgung der papsttreuen Untergrundkirche immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem kommunistischen Regime gekommen. Das vorläufige Abkommen aus dem Jahr 2018 über die Ernennung von Bischöfen ist umstritten, auch weil der genaue Inhalt nicht bekannt ist.

Druck auf die Gläubigen der Untergrundkirche

Das Abkommen war wiederholt von Vertretern der Untergrundkirche kritisiert worden. Hongkongs emeritierter Bischof, Kardinal Zen Ze-Kiun, hatte dem Vatikan etwa Naivität vorgeworfen und vor einem „Ausverkauf“ der Kirche in China gewarnt. Auch die IGFM fürchtet, dass die Aufgabe der Untergrundkirche „beschlossene Sache“ zu sein scheint und fragt: „Wie viel Appeasement will denn der Heilige Stuhl noch leisten? Wo ist die Grenze der Belastbarkeit der Gläubigen?“

Kritisiert wird, durch den Vertrag werde Druck auf die Gläubigen der chinesischen Untergrundkirche ausgeübt, sich der staatlich kontrollierten Chinesisch Katholisch-Patriotischen Vereinigung anzuschließen. Vor dem Abkommen hätte die Untergrundkirche jedoch noch mehr interne religiöse Freiheit erlebt, „wenn auch unter hohem Risiko“. Das Abkommen bedeute nicht nur, eine totale Kontrolle über die katholischen Christen in China den Weg zu ebnen, es stelle auch eine Abkehr von allen unter die Herrschaft der KP Chinas aufgrund ihrer Religion Verfolgten dar, erklärte die IGFM. 

DT/chp

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