Heißer Herbst

Weder FDP noch Grüne wollen über ihren Schatten springen und die Lagergrenzen sprengen. Am Wochenende haben sich die Grünen eindeutig gegen Jamaika ausgesprochen. Ein Regierungsbündnis unter Unionsführung mit den Liberalen und den Grünen als Koalitionspartner wird es im September also nicht geben. Präferenz für ein wie auch immer geartetes Bündnis – ob eine Neuauflage von Rot-Grün, ein Linksbündnis mit SPD und Linkspartei oder eine klassische Ampel mit SPD und FDP – äußerten sie hingegen nicht.

Letztere aber wird es mit den Liberalen nicht geben. So äußerte sich jedenfalls Parteichef Westerwelle am Wochenende. Er warnte vor einem Linksbündnis, wenn es für eine bürgerliche Mehrheit nicht reiche. Dass eine bürgerliche Mehrheit nicht zwangsläufig eine christliche sein wird, dürfte die beabsichtigte Papstrüge der Freien Demokraten im Europäischen Parlament vor Augen geführt haben (siehe Gastkommentar). Schwer vorstellbar, dass dies ohne Rückendeckung der Bundes-FDP vonstatten ging.

Dennoch hat Westerwelle recht: Deutschland droht nicht zuletzt aufgrund der Verweigerungshaltung der Grünen zu Jamaika ein Linksbündnis aus Rot-Rot-Grün. Vielleicht käme es vorher zu einer Wiederauflage der Großen Koalition. Die aber würde nicht lange halten. Die Fliehkräfte in Union und SPD würden das Bündnis zerreißen. Zusammen mit den jetzt sozialpolitisch deutlich nach links gerückten Grünen ließe sich schon eine Mehrheit finden. Die Grünen könnten sich als liberales Gegengewicht gegen die „Linke“ etablieren und würden nicht auf Jamaika mit der FDP um diese Rolle ringen müssen. Die Linke wäre raus aus ihrer Schmuddelecke und Lafontaine los. Und Wowereit wäre Kanzler. Alles aus Verantwortung für das Land natürlich. om

Themen & Autoren

Kirche