Heiner Wilmer

Heiner Wilmer

Karriere in der Kirche wollte Heiner Wilmer sicherlich nicht machen, als er mit nur 19 Jahren in den Herz-Jesu-Orden eintrat. Zur Überraschung vieler ernannte Papst Franziskus (auf Vorschlag des Domkapitels) den seit 2015 als Ordensgeneral in Rom residierenden Priester zum 71. Bischof des Bistums Hildesheim. Als „Gehilfe zur Freude“, so das Leitmotto des neuen Bischofs, will dieser nun allen Menschen im Bistum dienen. Die „Karriere“ Wilmers, der für sich ein schlichtes silbernes Bischofskreuz mit dem Herz-Symbol wählte, ist dennoch beeindruckend. Spätestens als er fließend und frei in Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch am vergangenen Samstag die Gäste der Bischofsweihe aus aller Welt begrüßte, erkannten viele, was aus dem Emsländer Jungen des Jahrgangs 1961 geworden ist. Er hat es allerdings auch nicht verlernt, humorvoll im Emsländer Platt zu reden: Damit öffnete er die Herzen der 3 000 zu diesem Fest in den Hildesheimer Mariendom gekommenen Gäste.

BODENSTÄNDIGER VISIONÄR

Die Nähe zum Herzen Jesu suchte der designierte Bischof in den Monaten vor der Weihe auf unkonventionelle Weise, was ziemlich typisch für seine Persönlichkeit erscheint. An sechs Tagen pilgerte er zusammen mit jungen Menschen auf alten Wallfahrtswegen im Bistum. Er wollte auf diese Weise mehr über die gewünschte spirituelle Aufgabe seines neuen Amtes erfahren. Über die „Basics des Glaubens“, über Kreuz und Auferstehung Jesu, vor allen Dingen über das Gebet, solle der neue Bischof lehren, forderten die Jugendlichen. Dem Herzen Jesu und Mariens näherkommen, gleichzeitig inmitten der pilgernden Kirche des Volkes Gottes aufmerksam zuhören, so ließe sich seine Grundstimmung vielleicht charakterisieren. Vielfältig ist seine Vita: Nach pastoraltheologischer Ausbildung und der Priesterweihe 1987 hat sich Wilmer zunächst dem Studium der französischen Philosophie gewidmet, promovierte 1991 in Fundamentaltheologie, studierte danach bis 1993 Geschichte, um anschließend die Staatsexamina in Theologie und Geschichte abzulegen. Mehrere Jahre arbeitete Wilmer anschließend an verschiedenen Schulen, darunter zwei Jahre im New Yorker Stadtbezirk „Bronx“, ehe er ins Emsland zurückkehrte, wo er bis 2007 als Schulleiter des Gymnasiums „Leoninum“ in Handrup wirkte. Als Ordensgeneral initiierte er im kleinen aber international besetzten Herz-Jesu-Kloster Berlin die sogenannte „Suchendenpastoral“. Der Berliner Rektor des Klosters charakterisierte Wilmer als einen „Visionär, der mit beiden Füßen auf dem Boden steht“. Er halte nicht nur Traditionen fest, sondern wage auch etwas Neues und könne damit die Menschen begeistern.

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