„Heiliger Respekt vor dem Leben“

Papst Franziskus spricht am 4. September in Rom Mutter Teresa von Kalkutta heilig – Das unerklärliche Heilungswunder. Von Guido Horst
Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen.
Foto: dpa | Ziemlich beste Freunde – auf Erden wie wohl auch im Himmel: Die noch selige Mutter Teresa und der heilige Papst Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen.
Foto: dpa | Ziemlich beste Freunde – auf Erden wie wohl auch im Himmel: Die noch selige Mutter Teresa und der heilige Papst Johannes Paul II.

Rom (DT) Papst Franziskus hat das Jahr der Barmherzigkeit um einen weiteren Höhepunkt bereichert: Er wird am 4. September die 1997 verstorbene und im Oktober 2003 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochene Ordensgründerin Mutter Teresa heiligsprechen.

Das feierliche Konsistorium vom vergangenen Dienstag, bei dem der Papst seine Unterschrift unter das entsprechende Dekret setzte, galt nur noch als Formsache. Bereits vorher hatte der Erzpriester der Vatikanbasilika, Kardinal Angelo Comastri, die anstehende Heiligsprechungsfeier in einem Zeitungsinterview bekannt gemacht. Sie wird in Rom stattfinden und nicht – wie es die indischen Bischöfe gewünscht hatten – in Kalkutta.

Vier weitere Heiligsprechungen wurden bei dem Konsistorium festgelegt: Am 5. Juni gelangt die vormalige Protestantin Maria Elisabeth Hesselblad (1870–1957) zur Ehre der Altäre – gemeinsam mit dem polnischen Ordensgründer Jan Papczynski (1631–1701). Hesselblad versteckte während des Zweiten Weltkriegs Juden in der römischen Zentrale des von ihr gegründeten Ordens. Sie wuchs in einer lutherischen Familie in Schweden auf und trat im Alter von 32 Jahren in Washington zum Katholizismus über. Sie gilt als Pionierin der Ökumene. Im Jahr 1911 gründete Hesselblad den Orden des Heiligsten Erlösers von der heiligen Birgitta. Hesselblad starb 1957 in Rom.

Am 16. Oktober wird Papst Franziskus darüber hinaus den Mexikaner Jose Sanchez Del Rio (1913–1928) sowie den argentinischen Priester Jose Gabriel Del Rosario Brochero (1840–1914) in das Buch der Heiligen aufnehmen. Sanchez Del Rio starb im Alter von 15 Jahren während des mexikanischen Bürgerkriegs, in dem er auf der Seite der katholischen Aufständischen gegen die antiklerikale Regierung kämpfte. Del Rosario Brochero wurde durch seinen Einsatz für die Armen und Kranken in Argentinien bekannt.

Die Heiligsprechung von Mutter Teresa war möglich geworden, nachdem medizinische Gutachter der Heiligsprechungskongregation bereits im September vergangenen Jahres die Heilung eines Brasilianers von einem bösartigen Hirntumor im Jahr 2008 als wissenschaftlich nicht erklärbar beurteilt hatten. Die theologische Kommission bewertete die Heilung des damals 35 Jahre alten Mannes als Wunder, das auf Fürsprache von Mutter Teresa gewirkt worden sei. Die Frau des Mannes, Familienangehörige und Bekannte baten Mutter Teresa demnach im Gebet um ihre Hilfe.

Der heutige Papst Franziskus lernte Mutter Teresa 1994 während einer Bischofssynode im Vatikan persönlich kennen. Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta ist als „Mutter der Armen“ weltweit bekannt. Als Albanerin mit bürgerlichem Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde sie 1910 in Skopje, der heutigen Hauptstadt Mazedoniens, geboren.

Als Papst Franziskus vor wenigen Tagen die vier im Jemen ermordeten Mutter-Teresa-Schwestern würdigte, betete er bereits in bemerkenswerten Worten: „Mutter Teresa begleite diese ihre Töchter und Märtyrerinnen der Nächstenliebe ins Paradies und trete bei Gott ein für Frieden und den heiligen Respekt vor dem menschlichen Leben.“

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