Grüne fordern farbenblinde Gesellschaft

Das gibt Chaos, nicht nur an der Ampel...

Von Markus Reder

Cem Özdemir ist ein besonderer Politiker. Er ist der erste seiner Zunft, dessen Name man nicht ohne weitere Angabe verwenden darf. Bei Frauen in der Politik ist dieses Phänomen schon länger bekannt. Frau Pauli zum Beispiel tauchte in den Medien grundsätzlich mit dem Pflichtzusatz „die schöne Landrätin“ auf. Nun ist Özdemir kein Landrat, dafür aber Vorsitzender der Grünen. Und im Amt eines Parteivorsitzenden der Erste in Deutschland mit Migrationshintergrund. Dies zu erwähnen, darauf – so scheint es – haben sich die Medien wie weiland bei Frau Pauli, „der schönen Landrätin“ verständigt. Man mag es diskriminierend finden, dass bei einem in die deutsche Gesellschaft voll integrierten Schwaben ständig auf dessen Herkunft hingewiesen wird, aber es zeigt zumindest, wie sehr dieses Land von seinen Vorurteilen lebt.

Özdemir also, der erste voll integrierte Vorzeigeschwabe der Grünen, setzt sich für mehr Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen ein. Damit will er die Mehrsprachigkeit fördern. Nun ist Mehrsprachigkeit für Schwaben ein drängendes Anliegen. Weshalb es naheliegt, dass sich gerade Özdemir dafür stark macht. Irgendwie beruhigend, dass er hinzufügt, Deutsch müsse für Kinder, die hier leben, immer die wichtigste Sprache sein. Keine Bedeutungsunterschiede gibt es für den Grünen, wenn es um Glaube und Karriere in der Politik geht. „Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft farbenblind wird. Dass es völlig unerheblich ist, woran jemand glaubt“, sagte er. Schwer zu sagen, ob Herr Özdemir über diese Äußerung lange nachgedacht hat. Unklar auch, ob er das etwa gegenüber Herrn Ahmadinedschad auch so sagen würde. Fest steht: Die Leitkultur der Grünen ist die farbenblinde Gesellschaft. Wo aber sinkende Sprachkompetenz auf verordnete Farbenblindheit trifft, muss man für die Zukunft der Gesellschaft schwarzsehen.

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