Berlin

Gründer der Werteunion plant den "nächsten Schritt"

Alexander Mitsch will nicht wieder als Bundesvorsitzender der Werteunion kandidieren. Stattdessen will er sich "für den Aufbau eines starken und dynamischen Netzwerks für eine freiheitliche Politikwende“ engagieren. Was heißt das?

Alexander Mitsch
Wichtiger als sein Posten im Kreisverband sei, dass die Mitgliederzahl der Werteunion „unverändert schnell“ wachse, kommentiert Alexander Mitsch das Ergebnis. Foto: Christoph Schmidt (dpa)

Markenkern: Wenn Aktive der Werte-Union (WU) ein Ranking mit ihren Lieblingsvokabeln aufstellen müssten, dieser Begriff nähme wohl einen Platz oben ein. Er war quasi der Taufspruch über der Wiege der sich als „die konservative Basisbewegung der Union“ verstehenden Gruppe: den Markenkern von CDU/CSU wiederherstellen. Ihrem Selbstverständnis nach sind die WUler, nach eigenen Angaben immerhin um die 4 000 Personen, so was wie Verbraucherschützer. Sie wollen, dass das Produkt einhält, was es von seiner Marke her verspricht. Wer schwarzen Kaffee im Becher haben will, ärgert sich, wenn der plötzlich nach Entcoffeiniertem schmeckt.

Oberster Verbraucherschützer der politischen Stiftung Warentest

Der oberste Verbraucherschützer dieser politischen Stiftung Warentest war bisher Alexander Mitsch. Nun hat der 54-Jährige angekündigt, dass er nach Ablauf seiner Amtszeit nicht wieder als Bundesvorsitzender kandidieren will. Und nicht nur das, in seiner Erklärung heißt es, nach vier Jahren WU sei es nun Zeit für den nächsten Schritt. Was meint Mitsch? Erst einmal macht er in seinem Schreiben deutlich, dass ihm der schwarze Kaffee, der ihm in der CDU serviert wird, endgültig nicht mehr schmeckt: EU-Finanzpolitik, Corona-Maßnahmen. Mitsch will sich stattdessen künftig „für den Aufbau eines starken und dynamischen Netzwerks für eine freiheitliche Politikwende“ engagieren. Mitsch trinkt den Unionskaffee also nicht nur nicht mehr, er wechselt die Sorte ganz. Etwa zur AfD? Die These von der WU als der fünften Kolonne der Blauen vertreten ihre innerparteilichen Gegner seit jeher - der Vorwurf gipfelte in der verbalen Ausfälligkeit des ehemaligen Europabgeordneten Elmar Brok, der mit Blick auf die WU gar von „einem Krebsgeschwür“ redete. Mitsch allerdings wies eine AfD-Nähe immer klar zurück.

Ja, in einem kurzen Zeitfenster nach der Wahl von AKK schien es sogar möglich, die Werte-Union könnte einmal in die Familie der anerkannten Parteivereinigungen aufgenommen werden. Beim Bundesparteitag durfte man einen Stand aufbauen. Mitsch war dazu gemacht, in diesem Prozess das solide, freundliche Gesicht der WU zu sein. Diplom-Kaufmann, beruflich erfolgreich und Familienvater, der in seiner Freizeit Marathon läuft - Mitsch passte von seinem Auftreten so gar nicht in das Klischeebild, das sich die Todfeinde unter seinen Parteifreunden von einem Mitglied der Stahlhelm-Fraktion machen.
Mit seinem Weggang stellt sich für die Werte-Union  die Frage: Ist der Markenkern der Union tatsächlich das, was sie dafür halten? Wenn viele ihrem Bundesvorsitzenden folgten, wäre das eine Antwort. Wenn nicht, wäre es auch eine.

 

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