Glosse: Zusammen an der Speerspitze

Von Stefan Meetschen

Das ging aber schnell. Erst vor einer Woche beschloss die NATO bei ihrem Gipfeltreffen im walisischen Newport, eine sehr schnelle Einsatztruppe („Speerspitze“) für Osteuropa zu gründen, um auf die neue russische Bedrohung angemessen reagieren zu können. Bereits in dieser Woche zeigten sich die ersten positiven Ergebnisse. Jedenfalls für die Einwohner des 1 600-Seelen-Dorfes Gruta, 200 Kilometer nördlich von Warschau. Die Bewohner des polnischen Städtchens staunten nämlich nicht schlecht, als sie plötzlich mitten am Tag und unangemeldet sechs supermoderne Hubschrauber auf einem Rapsfeld der Gemeinde erblickten. Nach einer kurzen Panik-Reaktion (rechnete man doch naheliegenderweise zuerst mit einer Invasion der Russen und dem Beginn des Dritten Weltkriegs) beruhigten sich die Nerven bald wieder und man trat mit den Gelandeten in Kontakt. Es stellte sich heraus, dass es sich um US-amerikanische Soldaten handelte, die an einem NATO-Manöver in Litauen teilgenommen hatten und nun auf dem Weg zurück zum NATO-Hauptquartier in Stettin waren. Der Grund für die Visite in Gruta: Die Soldaten wollten nach dem Weg fragen, weil sie aufgrund dichten Nebels vom Kurs abgekommen waren. Schnell konnten die Bürger von Gruta mit englisch-sprachigen Flyern helfen. Erinnerungsfotos wurden geschossen, Hände geschüttelt. Wenn man bedenkt, mit was für heimtückischen Navigationssystemen die andere Seite agiert, zeigt sich, wie wichtig es ist, dass alle, die an der östlichen Speerspitze agieren, kompetent zusammenarbeiten.

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