Glosse: Wir auch nicht, Herr Schäuble!

Nicht häufig, aber manchmal doch, da weht uns mitten in den Stürmen des grauen Alltags ein Hauch von Poesie an. Besonders lieblich, wenn gänzlich unerwartet. In der Mitte der Woche, mitten im Wirtschaftsteil der FAZ etwa. Wer hätte sie da vermutet? Eingequetscht zwischen die Gläubiger Amerikas und die Steuersünder Deutschlands umschmeichelte eine Schlagzeile unsere Fantasie: „Schäuble: Wir schwimmen nicht in Geld“.

Ich lehne mich zurück. Die Gedanken folgen ihrer Neigung zu schweifen. Dann trete ich ans Fenster. Die Wiese scheint heute grüner als sonst. So wie damals, in der Kindheit. Als wir uns noch in den Gänseblümchenwiesen kugelten. Als wir noch Donald Duck lasen, mit dem Onkel Dagobert, der immer ganz alleine in seinem vielen Geld schwamm. Obwohl er einen ganzen Pool voll funkelnder Münzen hatte, knauserte er ganz schrecklich. Vor allem gegenüber den kleinen Neffen. Onkel Dagobert bekommt plötzlich die Züge von Angela Merkel. Sie planscht in ihrem konservativen Schwäbische-Hausfrauen-Badeanzug in ihrem Euro-Pool. Aber sie knausert nicht wie Onkel Dagobert, wirft da einen dreistelligen Milliardenbatzen den Griechen zu, dort einen zweistelligen den Iren. Landet ja wieder in unserem Pool, gluckst sie fröhlich. Was sie dann noch über deutsche Gläubigerbanken und Exporte sagen will, geht in einem Tauchgang unter. „Wir schwimmen nicht in Geld...“, spricht Bademeister Schäuble. Ja, wir doch auch nicht, Herr Finanzminister!

Ach, die Überschrift war gar nicht alles? Schäuble spricht weiter: „... wir ertrinken allenfalls in Schulden und versuchen, uns dagegen zu wehren.“ Vorbei der Tagtraum von Onkel Dagobert und den grüneren Kindertagegänseblümchenwiesen. Schade. Stephan Baier

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