Glosse: Weltmeister als Werbeträger

Von Stefan Rehder

Eigentlich geht es auf keine Fanhaut mehr, für was die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den letzten Wochen alles exzessiv geworben haben. Oder kann irgendjemand noch die Nobel-Karossen, Deodorants, Brotaufstriche und Kaltgetränke sehen, deren Hersteller den Absatz ihrer Produkte mit den siegreichen Männern des 13. Julis anzukurbeln suchen? Dass das – bedenkt man, was eine Werbeminute im Fernsehen kostet – offenbar glänzend funktioniert, verrät wenig über die Helden von Maracana, dafür aber umso mehr über uns. Was natürlich nicht heißen soll, dass unsere Fußballer kein Statement abgegeben hätten, das es ernst zu nehmen gelte. Das Gegenteil ist der Fall: Wie etwa Miroslav Klose sich auf dem Höhepunkt seiner langen, glanzvollen Karriere vor den Augen der Weltöffentlichkeit ausgiebig Zeit für seine beiden Söhne Luan und Noah nahm oder wie Lukas Podolski mit Sohn Luis nach dem Sieg geduldig „Elfmeterschießen“ spielte, während die Kollegen mit dem Pokal feierten, das war schon toll mitanzusehen. Nicht zu vergessen Jerome Boateng, der seine beiden Töchter Soley und Lamia so lange durch das Stadion trug, bis Torschütze Mario Götze, der noch mehr Kraft hatte, die kleinen Damen schließlich Huckepack nahm. Toni Kroos, der ein überragendes Turnier spielte, widmete den Titel aller Titel per Twitter seiner Freundin und ihrem gemeinsamen elf Monate alten Sohn Leon. Mehr Werbung für Familie lässt sich kaum machen. Und das Beste: Es gab sie nicht nur kostenlos, sondern auch überzeugend.

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