Glosse: Weihnachtsfreie Marktlücke

Warum nur kommt der Himmel nicht zu Hilfe und lässt die Sonne mit mindestens 30 Grad Celsius herniederbrennen? Dann würde der ganzen Schoko-Weihnachtskram schnell dahinschmelzen. Aber der Himmel lässt uns die Folgen des Konsumterrors selbst auslöffeln. Unmittelbar nach den Sommerferien stehen bereits Weihnachtsmänner, Lebkuchen, Christstollen und all die Adventssachen, die im Moment kein Mensch braucht, in den Regalen der Supermärkte. Auch Christbaumkugeln wurden bereits gesichtet. Wie, Sie haben noch gar keinen Christbaum? Dann aber mal los... Irgendwo in Asien soll es bereits Unternehmen geben, die Frischhaltezelte für frühgefällte Weihnachtsbäume anbieten. Damit halten die Nadeln garantiert bis zum Abend des 25. Dezember. Es ist auch nur noch eine Frage von Tagen, bis einem die ersten Weihnachtslieder als verkaufsfördernder Hintergrundsingsang in den Ohren liegen.

Den Allermeisten geht diese Frühverweihnachtung gewaltig auf die Nerven. Das hat jetzt eine Umfrage bestätigt. Ein Drittel der Befragten findet sogar, der Staat sollte eingreifen. Ein Verkaufsverbot ist allerdings schwer vorstellbar. Zudem behauptet der Einzelhandel steif und fest, nichts anzubieten, was der Kunde nicht will. Wenn weihnachtsfreie Läden eine Marktlücke wären, gäbe es sie längst, heißt es vom Handelsverband Deutschland. Wenn die deutliche Mehrheit eine Frühverweihnachtung klar ablehnt, eine Minderheit aber bereits kauft (wahrscheinlich sind das die gleichen, die ihre Osterhasen Anfang Januar holen), dann diktiert also die Minderheit der Mehrheit, wo es weihnachtstechnisch langgeht. Das kennt man leider auch bei anderen Themen. Aber bei Weihnachten hört der Spaß endgültig auf. Wir Verbraucher sind gefragt. Wo bleibt die Allianz der Weihnachtswilligen? Der Aufstand der Konsumverweigerer? Nach der weihnachtsmannfreien Zone braucht es die weihnachtsfreie Zeit von August bis November. Wir haben die Macht, wir sind der Kunde! Stille Macht, heilige Macht. Markus Reder

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann