GLOSSE: „Was nicht tötet, härtet ab“

Die Welt der Wissenschaft ist voller Überraschungen. Forscher des Universitätsklinikums Bergmannsheil in Bochum haben jetzt herausgefunden, dass Menschen, die sich asiatischen Kampftechniken widmen, tatsächlich resistenter gegen Schmerz sind. Anhand von Hirnstrommessungen wiesen die Forscher nach, dass „Kung Fu“- und „Karate“-Sportler die ihnen zugefügten Schmerzen, nicht nur weniger stark wahrnehmen, sondern mit dem Wahrgenommenen auch gelassener umgehen. Grund für die höhere Schmerzunempfindlichkeit ist den Forschern zufolge aber nicht der durchtrainierter Körper der Sportler, sondern offenbar deren Geist. „Wir konnten“, schreiben die Forscher, „keine körperlichen Veränderungen bei Kampfsportlern feststellen, die die verminderte Wahrnehmung von Schmerzen erklären würden.“ Stattdessen vermuten sie, dass regelmäßiges Training die psychische Akzeptanz für zugefügten Schmerz erhöht. Das ist eine gute Botschaft für alle, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie sich durch Beruf und Karriere mobben. Denn wer anderen seelische Schmerzen zufügt, kann sich nun damit trösten, einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Schmerzunempfindlichkeit seiner Mitmenschen zu leisten. Gemäß dem Motto: „Was nicht tötet, härtet ab“ können nun in den Fabriken und Büros der Republik die Seelen von Arbeitern und Angestellten mit Tritten und Schlägen bearbeitet werden, dass es nur so kracht. Auch die Therapie des „Burn-Out“-Syndroms gehört revolutioniert. Statt „Schonung“ ist nun „mehr Training“ angesagt. Sind erst einmal alle Seelen auf diese Weise gestählt, können Menschen auch endlich durch Roboter ersetzt werden. Nicht, dass dies nicht auffiele. Es gäbe vermutlich nur niemandem mehr, dem dies noch etwas ausmachte. Stefan Rehder

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