Glosse: Verschwinden der Löcher

Von Andreas Wodok

Dass der Euro viel mit Käse zu tun hat, weiß niemand besser als die Schweizer. Die Eidgenossen haben zwar gar keinen Euro, weil der jedoch permanent an Wert verliert, flüchten immer mehr Anleger in den Franken, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Exportwaren der Eidgenossen massiv verteuern. Kurzum: Der Absatz von Emmentaler ist regelrecht eingebrochen. Kurioserweise haben die Schweizer nun ein doppeltes Problem: Einerseits reißt ihr Emmentaler Löcher, nämlich in die Kassen der Käsereien, andererseits hat er selbst aber zu wenig da-von. „Eine regelmäßige und angemessene Lochung ist bei vielen Käsesorten ein wichtiges Qualitätsmerkmal“, erklärt die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope, seit einigen Jahren aber seien so wenig Löcher im Schweizer Käse, dass „bei der Taxation häufig Abzüge in Kauf genommen werden müssen“, sprich Emmentaler, Appenzeller und Tilsiter degradieren zu billigem Schmelzkäse. Recht so, schließlich ist Käse Teil des schweizerischen Nationalbewusstseins – Aussehen und Elastizität jeder einzelnen Sorte sind genau vorgeschrieben. Die Berner Forschungsgruppe Käsequalität und -authentizität hat nun herausgefunden, dass „die Steuerung der Lochbildung“ beim Käse eine höchst komplexe Angelegenheit ist. Mittels Computertomographie konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass „das Lochvolumen in Halbhartkäsen typischerweise nur etwa ein Prozent des gesamtes Käses ausmacht“. Zum Glück ist es aber „durch Zusatz geeigneter Mikropartikel“ gelungen, „die Zahl der Lochansatzstellen und damit die Lochzahl reproduzierbar zu steuern“. Wenn wir das richtig verstehen, hat der Schweizer Käse also bald wieder genug Löcher, um die Kassen zu füllen. Genau so, liebe Schweizer, funktioniert die Sache mit dem Euro auch.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann