Glosse: Unmoralische Angebote

„Es gibt keinen zuverlässigeren Beweis von Geistesgröße, als wenn man sich durch nichts, was einem begegnen kann, in Aufruhr bringen lässt.“ Der Stoiker Luicius Annaeus Seneca, der sich auf Geheiß seines ehemaligen Schülers das Leben nahm, hatte natürlich gut reden. Er kannte die Bundesregierung noch nicht. Die plant nämlich doch jetzt allen Ernstes, die fremdnützige klinische Forschung an nicht einwilligungsfähigen Patienten für den Fall zuzulassen, dass diese eine entsprechende Patientenverfügung verfasst haben. Natürlich könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dass nur die dümmsten Kälber ihre Metzger selber wählen. Daher wäre niemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte bereit, sich für Medikamententests zur Verfügung zu stellen, die ihm später einmal nur schaden, aber selbst nicht mehr nützen können. Doch lehrt die Erfahrung anderes. Es gibt kein unmoralisches Angebot, das sich keine Nachfrage schafft. Da prostituieren sich etwa Frauen, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, Kinder zu ernähren, die sie in ihrer Heimat zurückgelassen haben. Da beschließen Menschen, künftig mit nur einer Niere durchs Leben zu gehen, weil sie fürchten, andernfalls vor Hunger zu sterben und beide nicht mehr zu benötigen. Und wer weiß schon, auf welche Ideen die Arzneimittelindustrie noch verfällt, um einwilligungsfähigen Menschen bei der Abfassung von Patientenverfügungen für bitterere Tage unter die Arme zugreifen? Nur gut, dass sich die katholische Kirche gegen eine solche „Willkommenskultur“ wendet. Stefan Rehder

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