Glosse: Unglück kommt selten allein

Von Guido Horst

Ein Unglück kommt selten allein. Nachdem sich das Flaggschiff des Reiseveranstalters und Reeders „Costa Crociere“, der Luxusliner „Costa Concordia“, vor der toskanischen Küste einfach auf einen Felsen gelegt hatte, ist nun auch das Schwesterschiff des gleichen Unternehmens, die „Costa Allegra“ mit über tausend Passagieren, zwischen Madagaskar und den Seychellen in Seenot geraten. Ein Feuer im Maschinenraum legte Stromversorgung, Antrieb und Steuerung lahm. Glück im Unglück: Es war gerade kein Felsen zur Hand, auf dem der Kapitän den Meeresriesen hätte zur Ruhe betten können. Menschen kamen diesmal nicht zu Schaden. Doch solcher Art Unbill ist Anlass genug, über die Doublettenartigkeit der Schicksalskategorie „Unglück“ nachzudenken. Erst der Köhler, dann der Wulff. Erst die Schweinegrippe, jetzt Burnout. Die Schicksalsmacht „Unglück“ scheint seine Opfer mit einer Zangenbewegung einzukreisen. Erst haben die Lehmann-Brothers die internationale Bankenkrise ausgelöst, dann zündeten die Griechen die Lunte auch noch von der anderen Seite an. Zwischendrin sitzt Frau Merkel und sieht ihre Mehrheiten schwinden. Doppeltes Pech, was sie derzeit übrigens durchaus mit dem Vatikan verbindet. Zum einen tragen Maulwurf-Prälaten streng vertrauliche Dokumente aus dem Staatssekretariat an die Öffentlichkeit, zum anderen will Sparkommissar Monti, dass die Kirche wieder Immobiliensteuer zahlt. Der Papst hat ein Bußschweigen angeordnet und die Kurienkardinäle haben sich zu Fastenexerzitien in den Apostolischen Palast zurückgezogen, denn die unheilvolle Macht des Doubletten-Unglücks lässt sich nur mit Beten und Fasten austreiben. Warum hat das noch niemand den Banken und Politikern empfohlen? Bei der Kirche funktioniert das immer.

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