Glosse: Sympathie für Jesus

Papst Franziskus war erst kürzlich da. US-Präsident Barack Obama ebenfalls. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass auch die „Rolling Stones“ als Ikonen der Rockmusik der Karibikinsel Kuba einen Besuch abstatten würden. Am Karfreitag haben die rüstigen Senioren (addiertes Alter: 286) ein Gratiskonzert in Havanna absolviert. Zur Begeisterung ihrer dortigen Fans, die sich tatsächlich etwas gedulden mussten, um die Interpreten von „Satisfaction“ oder „Sympathy for the Devil“ leibhaftig auf der Bühne genießen zu können. Ihre Musik war in den Hoch-Zeiten der marxistischen Revolution in Kuba nicht verboten, aber Fidel Castros Genossen hatten Anderes zu tun, als dem befreiten Volk musikalischen Hüftschwung-Unterricht der leicht vulgären Art zu gewähren. Die kommunistischen Kämpfer streckten den britischen Musikmillionären die Zunge raus. Nun ist alles anders. Kuba öffnet sich – Glaube, Demokratie und Rock 'n' Roll. Alles scheint möglich. Bleibt nur zu hoffen, dass auch Mick Jagger & Co. sich am Ende ihrer irdischen Tournee noch für eine Revolution öffnen. Wie die britische Zeitung „Mirror“ berichtet, gab es einen Versuch des Papstes, den „Stones“-Auftritt am Karfreitag zu verhindern oder wenigstens zu verschieben. Post vom Papst? Die Reaktion der Band, so liest man, sei Verblüffung gewesen. Die Antwort der Band, dass man Verträge einhalten müsse und auch andere Konzerte am Karfreitag stattfänden, klingt denn auch schon fast wie eine Entschuldigung. Werden wir es noch erleben, dass Mick Jagger in Rom „Sympathy for Jesus“ intoniert? Stefan Meetschen

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