Glosse: Stecknadeln im Heuhaufen

In dem 2010 gedrehten Film „Inception“, jenem mit vier Oscars prämierten Leinwand-Meisterwerk Christopher Nolans, dringt der von Leonardo DiCaprio verkörperte Dominick Cobb in einen Traum seines Opfers ein und versucht, dessen Unterbewusstsein einen Gedanken einzupflanzen. Wie es scheint, hat die Realität das Kino längst überholt. Denn Geheimnisse – findet offenbar eine Mehrheit der Schweizer Eidgenossen – sind am allerbesten bei den Geheimdiensten aufgehoben. Diese dürfen, nachdem die Schweizer jetzt per Volksentscheid ein neues Nachrichtendienstgesetz durchgewunken haben, künftig auf der Jagd nach Terroristen auch Personen und Fahrzeuge orten, den Post- und Telefonverkehr der Schweizer überwachen, in ihre Computer und Netzwerke eindringen sowie deren Häuser verdeckt durchsuchen und verwanzen. Die Schweiz – ein neues Eldorado für Schlapphüte? Ganz so ist es wohl nicht, zumindest nicht gedacht. Denn das neue Gesetz sieht auch Hürden vor. So muss eine konkrete Bedrohung vorliegen. Sämtliche Maßnahmen müssen richterlich genehmigt und vom Sicherheitsausschuss des Verteidigungsdepartments freigegeben werden. Ferner sollen die Geheimdienste der Schweiz künftig stärker kontrolliert werden. Nicht, dass wir uns über den Kampf der Eidgenossen gegen den Terror lustig machen wollten, dafür ist die Sache zu ernst. Nur leuchtet vermutlich nicht jedem ein, wieso die Schweizer meinen, dass die Suche nach Stecknadeln im Heuhaufen umso erfolgreicher verläuft, je größer sie den Heuhaufen machen. Stefan Rehder

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