GLOSSE: Sie glaubte, hoffte, meinte

Bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in ihren wohlverdienten Jahresurlaub zurücktrat, hielt sie noch eine kleine Rede an die Nation. Leider ist sie, die Rede, im aufkommenden Sommerloch untergegangen. Hier das Gedächtnisprotokoll eines Zuhörers: „Liebe Bevölkerungsteilnehmer, ich denke, die Koalition hat ihre anfänglichen Startschwierigkeitshäufungen genauso optimiert wie ihre Fähigkeitslücken. Und deshalb glaube ich, dass wir den bevorstehenden Zukunftsherausforderungen nicht nachtrauern müssen. Doch ich sage auch: Wir müssen uns ehrlich machen! Und deshalb sage ich den von unseren Sparmaßnahmen betroffenen Bevölkerungsteilnehmern ganz ohne Umschweife, dass es den Steuerzahlungsbeteiligten nicht mehr darstellbar ist, sich über ihr bereits geleistetes fiskalisches Engagement hinaus an der Schließung der sozialstaatlich bedingten Handlungsbedarfslücke zu beteiligen, ohne Wachstum und Wohlstand in unseren bereits steueroptimierten Nachbarländern zu gefährden. Ich glaube, wir sollten unseren Fokus lieber auf Steuerverkürzungslösungsmöglichkeiten richten, denn nur wenn wir das Vertrauen der Leistungsträgerschaftsmitglieder zurückgewinnen, können wir auch das Zurückdrängen des Glaubwürdigkeitsdefizitpotenzials erfolgreich auf den Weg bringen. Ich sage, ja, das ist eine schwierige Aufgabe, aber ich glaube auch – das hoffe ich zumindest – dass die Bevölkerungsteilnehmer sehen, dass wir heute nicht mehr all das machen sollten, was wir machen könnten. Sehen Sie, Helmut Kohl hatte doch Recht, als er sagte: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Ich denke, dass ich das ganz ähnlich sehe. Mir wird ja nachgesagt, dass ich angeblich auch alles vom Ende her denke, und ich sage, ja, das tue ich, denn ich glaube, dass das wahrscheinlich der richtige Weg ist. Also, wohin soll es denn gehen? Ich komme mit.“ Andreas Wodok

Themen & Autoren

Kirche