Glosse: Reale Romantik als Abenteuer

Von Stefan Meetschen

Endlich Februar. Bald ist es soweit: pünktlich zum Valentinstag kommt der Film „Fifty Shades of Grey“ in die Kinos. Wundern Sie sich also nicht, wenn demnächst manche in Latex, Fesseln oder mit Handschellen unterwegs sind: Der von einer britischen Hausfrau verfasste Porno-Bestseller jetzt auch noch als Film – das dürfte für viele zu wirkmächtig sein, um widerstehen zu können. Obwohl. Vielleicht hat der Bestseller-Autor Alexander von Schönburg ja recht. In seinem neuen Buch „Small-Talk“ entlarvt er die mediale und kulturelle Ausweitung der Porno-Zone als Verwechslung von Realität und Idee. So präsent das Thema auch ist, so abstumpfend sei die Wirkung. Zumal die meisten „es in der Praxis wahrscheinlich eher als lästig empfinden, ständig ausgepeitscht zu werden“. Auch der französische Autor Michel Houellebecq zeigt in seinem kontrovers diskutierten Roman „Unterwerfung“ die Übersättigung durch Promiskuität und Pornografie auf. Danach fühlt sich sein Protagonist immer „sehr einsam“, weshalb er am Ende den Schritt in das letzte große Abenteuer seines Lebens wagt: Ehe und Familie, die von den neuen islamischen Herrschern als „Keimzelle unserer Gesellschaft“ mit Respekt betrachtet und gefördert werden, in Abkehr von der westlichen Gedanken- oder Praxis-Dekadenz. Darf man sich den Valentinstag 2015 also weiterhin so wünschen, wie all die Jahre zuvor? Romantisch, bunt und schmerzfrei? Wenn man zu den letzten und neuen Abenteurern Europas gehören will: Unbedingt!

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