Glosse: Mutti, Vati und die Kinder

Von Stefan Rehder

SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben sich am Wochenende in getrennten Stuhlkreisen auf Bedingungen für die Aufnahme von Sondierungsgesprächen über mögliche Koalitionsverhandlungen mit der Union verständigt. Die machten, wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, aus Sicht der SPD nur Sinn, wenn CDU und CSU bereit seien, der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 17,50 Euro zuzustimmen. Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping warnte die Kanzlerin davor, brutto und netto zu verwechseln. Dies könne, wie er aus eigener Erfahrung wisse, unangenehme Konsequenzen haben. Unternehmen, die sich weigerten, den Netto-Mindestlohn zu zahlen, sollten verstaatlicht werden. Außerdem will die SPD alle Ministerien mit Ausnahme des Verteidigungs- und des Innenministeriums besetzen. Auf die Frage von Teilnehmern des Stuhlkreises, warum die SPD der Union so weit entgegenkommen wolle, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel, mit Afghanistan und der NSA sollten sich „doch Mutti und Vati rumschlagen dürfen“. Bündnis 90/Die Grünen erklärten sich zur Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit der Union bereit, sobald diese sich einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent vorstellen könne. Jürgen Trittin ließ verlauten, auch unter einer schwarz-grünen Regierung dürfe in deutschen Kantinen selbstverständlich jeder freiwillig Fleisch essen: einmal in der Woche und im Stehen. Auch Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollen, werde man dies gestatten. Voraussetzung sei allerdings, dass sie die nicht in Anspruch genommenen Kita-Plätze dann auch selbst finanzierten.

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