Glosse: Möge der Hl. Geist mit Euch sein!

Schwermut kann schwer zu ertragen sein. Aber vielleicht hätten die beiden protestantischen Vikare jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt? Ist es wirklich zielführend, kostümierte Sternenkrieger mit der Verlosung von sechs Kinokarten für den neuen „Star Wars“-Film in die Berliner Zionskirche zu locken, nur um wieder mal in voll besetzte Kirchenbänke blicken zu können? Zugegeben, in den „Gelben Seiten“ wären die Vikare bei der Suche nach Antwort nicht fündig geworden, dafür aber bei einem der Ihren. Denn dass bald „Witwer“ sei, „wer sich mit dem Zeitgeist vermählt“, wusste schon der große protestantische Theologe Sören Kierkegaard. Braucht die „Frohe Botschaft“ wirklich die Hilfe eines Kino-Blockbusters, um noch an den Mann und an die Frau gebracht zu werden? Oder ist es nicht genau anders herum? Rührt nicht der Erfolg des Weltraum-Epos auch daher, dass es sich hemmungslos aus den Evangelien bedient? Zwar gibt es in den „Star Wars“-Filmen auch reichlich Esoterik, doch erinnern die „Jedi-Ritter“, immerhin die wichtigsten Helden, stark an einen zölibatär lebenden Mönchsritterorden. Und symbolisieren ihre Laserschwerter nicht die „Waffen des Lichts“, die wir dem Apostel Paulus folgend anziehen sollen, wenn wir „die Werke der Finsternis“ ablegen? Fans von „Das Imperium schlägt zurück“, des besten aller Stars-Wars-Teile, wissen längst, was der zur dunklen Seite übergelaufene Darth Vader den Vikaren ins Gebetbuch geschrieben hätte. Allen anderen sei es hier verraten: „Ich finde Ihren Mangel an Glauben beklagenswert.“ Stefan Rehder

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