Glosse: Mit Sicherheit in Deutschland

Erst die Silvesterfeierlichkeiten in Köln, dann der Karneval der Kulturen in Berlin und jetzt, wie man in verschiedenen Gazetten lesen kann, ein Musikfestival in Darmstadt. Was diese drei Großveranstaltungen verbindet? Frauen sollen dort Opfer sexueller Übergriffe gewesen sein. Und zwar auf die gleiche Art und Weise. Durch gemeinschaftliches Einkreisen, Antanzen und Anfassen. „Taharrush gamea“, wie man dazu in der Fachsprache sagt. Lässt sich das Problem nicht in den Griff kriegen? Die Polizeigewerkschaft ist skeptisch. Laut eines Sprechers werden sich derartige „Sex-Attacken“ weiter häufen. Der Grund: Die Polizei habe einfach nicht genug Personal, um die Sicherheit zu gewährleisten. Was schon ein bisschen schade ist, immerhin ist der deutsche Staat ja verpflichtet, das Leben seiner Bürger zu schützen. Frauen eingeschlossen. Aber gut, kann man nichts machen. 70 Jahre relative Sicherheit im öffentlichen Raum war eine lange Zeit. Irgendwann musste es zuendegehen. Ein Trost: Der Versicherer „Axa“ hat zusammen mit der Kölner Polizei, wie die Zeitung „Express“ berichtet, eine App namens „WayGuard“ (Wegbeschützer) entwickelt, die speziell Frauen „ein besseres Sicherheitsgefühl“ vermitteln soll. Denn, so verkünden die Entwickler, die App erkenne „die genaue Position der Nutzerin und übermittelt diese in Echtzeit verschlüsselt an eine Leitstelle, die im Fall der Fälle gezielt professionelle Hilfe organisiert“. Einziger Haken: Wird das Smartphone geraubt, ist es vorbei mit dem direkten Draht zur Polizei. Was dann hilft? Vielleicht Pfefferspray. Stefan Meetschen

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