Glosse: Merkels Mode in Bayreuth

Natürlich geht es in Bayreuth zurzeit auch um Musik, die von Richard Wagner vor allem. Und sicherlich geht es bei den Festspielen, wie jedes Jahr, auch um gewagte Inszenierungen und kontroverse Regie-Einfälle. Im Mittelpunkt steht aber auch im Jahr 2017 das modische Dressing der prominenten Gäste. Allen voran das der Bundeskanzlerin. Seit Jahren besucht Angela Merkel den Grünen Hügel. Jedes Jahr nutzt sie die Gelegenheit, um mit ihrer jeweiligen Garderobe unterschwellige politische Signale zu setzen. Gerade mit Blick auf Bundestagswahlen. 2004 etwa – sie war damals noch in der Opposition – zeigte sie mit einem rotem Dekolleté und schwarzem Rock, dass sie für eine große Koalition durchaus offen ist. Ein polit-erotischer Wink, der ein Jahr später umgesetzt wurde. Kalt und berechnend vielleicht, aber nicht ohne das pragmatische Kribbeln der Hingabe an die Macht. Im Wahljahr 2009 gab sie sich zugeknöpfter (Blazer), der Rock war wieder lang, aber silbrig-glitzernd statt schwarz. Klar, dass die Liberalen darauf abfuhren. Bis 2013 bildete man ein Team. War die dann folgende Große Koalition schon im Bayreuther Sommer erkennbar? Auf den ersten Blick nicht. Merkel trug blau. Keine klassische SPD-Farbe. Doch die modische Sprache ihres Unbewussten war eindeutig: Kein FDP-Glitzern mehr. Lieber Tiefe. Daran hat sich die unpopuläre SPD gehalten. Und 2017? Rock und Blazer wie gehabt, aber in einer seltsamen Farbe. Apricot? Bronze? Gold? Ein Hinweis, dass Merkel von der absoluten Mehrheit träumt? Im September folgt in Berlin die modische Auflösung. Stefan Meetschen

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