Glosse: Merkel und das Neuland

Nach der großen Flut die Saharahitze, nach der Saharahitze brutale Gewitter, überflutete Straßen und Tornado-Warnungen – was das Wetter sich dieses Jahr in Deutschland leistet, spottet jeder Beschreibung. Der Anblick von in Wassermassen versinkenden Autos, normalerweise ein Motiv der apokalyptischen Filmkunst, gehört mittlerweile zum Standard-Bildrepertoire realer Nachrichtensendungen. Aus Schland, wie wir uns im Lena-Jahr 2010 zu nennen pflegten, ist Deutsch-Land-unter geworden. Ausgerechnet jetzt rückt ein weiteres, digitales Tief an. Im Netz ist ein Shitstorm gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgebrochen. Die Ursache? „Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Merkel bei der Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama. Eine Aussage, welche die digitale Community, also die Leute, welche zwar jeden Handybetreiber kennen, aber bei Suhrkamp, Rowohlt und Fischer an veraltete Telefonhersteller denken, mit einer rasanten Empörungs- und Witzewelle quittierten. Längst ist #Neuland bei Twitter und anderen einschlägigen Netzwerken der neue Spott- und Trendbegriff schlechthin. Man macht sich lustig über Merkels angeblich altmodische Haltung zu den digitalen Medien und präsentiert sich selbst als die Creme de la Creme auf dem Daten-Highway. Dabei könnte es uns vielmehr wundern, dass eine Kanzlerin, die seit Jahren mit SMS und Mobiltelefon agiert, ausgerechnet beim Thema „Prism“, dem amerikanischen Internet-Spähprogramm, auf Neuland schaltet. Hier sollte das eigentliche Gewitter losgehen. Stefan Meetschen

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