Glosse: Luther goes Social Media

Wenn man heute via Facebook & Co. die Reformation erklären will, muss man sich was einfallen lassen. Ein halbes Jahrtausend nach deren Beginn gilt es, eine angemessene Sprache zu finden: Luther hat als member 95 tags im Wittenberger „Kirchentür-Forum“ gepostet und die Postings via Gutenberg-Press getwittert. Nicht nur an seine Follower, sondern öffentlich. Daraufhin hat ein Top-User mit Nickname „Papst“, der sich gedisst fühlte, Luther die Freundschaft gekündigt und wollte ihn blockieren. Ging aber nicht, da der sich immer wieder neu angemeldet hat, mit verschiedenen Profilneurosen. „Kaiser“, Nickname eines „engen Freundes“ von „Papst“, hat dann zu einem Offline-Event eingeladen. Luther hat erst geschrieben „Teilnahme unsicher“, kam dann aber doch. Papst und Kaiser, die Administratoren der Gruppe „Heiliges Reich“, wollten, dass Luther alle Einträge löscht und sich abmeldet. Aber der wollte das nicht. Er hatte schon über 30 Freunde, die alle meinten: „Gefällt mir!“ Das Voting hat die Admins echt gestresst. Die Petition für Luther lief durch die Feudalen Netzwerke. Viele Freunde und Follower haben unterschrieben, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht.

Luther verschwand dann eine Zeit und war Programmierer. Bibel 2.0 – deutsch entstand. Lutherdeutsch ist bis heute eine bekannte Programmiersprache. Dann hat Luther noch eine neue Gruppe gegründet, die ziemlich schnell wuchs. In seinen Kreisen bei „Kirche+“ waren richtig viele Promis. Schließlich gab es noch eine Statusänderung von „Es ist kompliziert“ zu „In einer festen Beziehung“. Sein Profil wurde irgendwann gelöscht. Es gibt aber bis heute Gruppen, die an ihn erinnern. Josef Bordat

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