Glosse: Linkskatholische Reue zum 1. Mai

Man wirft uns Linkskatholiken oft vor, wir seien einseitig und voreingenommen: Nur das Böse auf der rechten Seite sehend, immer auf Wertkonservative und Traditionalisten schlagend. Nun denn. Was tut man nicht alles für Jesus, sich selbst und die sichere Rente. Doch jetzt, da mit dem 1. Mai der – nach Ostern, Weihnachten und dem Katholikentag – wichtigste Event des Jahres ansteht, ergreifen wir die Gunst des Moments zur radikalen Selbstkritik und demonstrieren: Ja, auch links wird gesündigt. In der Kirche, in der Gesellschaft, in der Politik. Wir distanzieren uns entschlossen von linker Gewalt und Hassrede, wir wollen auch nix zu tun haben mit linkspopulistischen Parteien, Politikern und solchen Personen, die linkes Gedankengut in die Öffentlichkeit tragen. Und mit linken Kampagnen, bei denen die menschliche Würde mit Füßen getreten wird, sowieso nicht. Außerdem finden wir linke Theologien, welche das Evangelium in unzulässiger Weise mit der menschenverachtenden Ideologie des Marxismus oder Postmarxismus zu verknüpfen versuchen, völlig deplatziert. Wir mögen auch keine falschen Jesus- und Kirchenbilder und bekennen, dass unsere Solidarität oft nur uns selbst galt. Insbesondere bei der Benutzung der Worte „Dialog“, „Toleranz“ und „Vielfalt“ sind wir oft übers Ziel hinausgeschossen. Das tut uns leid. Als Zeichen der Reue werden wir unsere Teilnahme an den 1. Mai-Demos absagen und einfach mal wieder eine Marienandacht besuchen, um – wenigstens ein Stück weit – in die Mitte der Kirche zurückzukehren. Stefan Meetschen

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