Glosse: Lieber mit Jesus im Sattel

Was haben wir geweint – damals, als Winnetou, dargestellt vom französischen Schauspieler Pierre Brice, in die ewigen Jagdgründe musste. Die melodramatische Filmmusik von Martin Böttcher, die fassungslose Miene von Old Shatterhand (Lex Barker) – was war das für ein Elend. Dabei sprechen manche Buchhinweise dafür, dass der edle Apatschen-Häuptling – so wie sein Schöpfer Karl May – vor dem Übergang den entscheidenden Schritt zum christlichen Glauben vollzog. Die Jagdgründe, waren sie in seinem Fall also doch der Himmel, das ewige Leben? Ganz sicher wissen wir von Pierre Brice, der am vergangenen Samstag im Alter von 86 Jahren gestorben ist, dass ihm der Glaube wichtig war. „Ich danke Gott, ich danke Jesus Christus, dass er immer auf mich aufpasst und mich behütet“, sagte der gläubige Katholik einmal in einem Interview. Bei Jesus im Sattel zu sitzen, so kann man schlussfolgern, ist eben doch die sinnvollste Tätigkeit und Haltung des menschlichen Lebens. Sicherlich hat davon auch schon mal Gregor Gysi gehört, der zwar nie in einem Winnetou-Film mitgespielt hat, aber die politische Prärie der Bundesrepublik in den zurückliegenden Jahren entscheidend mitgeprägt hat. Manchmal so schelmisch lächelnd wie der Trapper Sam Hawkens („...wenn ich mich nicht irre“), ganz bestimmt aber nicht – aufgrund seiner Parteifarbe und DDR-Vergangenheit – als „Greenhorn“. Am vergangenen Sonntag hat Gysi beim Bundesparteitag der „Linken“ in Bielefeld bekannt gegeben, dass er im Herbst nicht mehr als Fraktionschef kandidieren wird. Die Reaktion auf seine Worte – bei ihm selbst und den Zuhörern – erinnerte an das Elend, das man fühlen kann, wenn der verehrte Film-Häuptling nicht mehr da ist. Doch richtig ist auch: In diesem Fall ist der Häuptling nicht von der Kugel getroffen worden. Er hat – so wie der Rest des Stamms der Rothäute – noch Zeit, die Geschichte von den Ewigen Jagdgründen genau zu reflektieren und zu prüfen, für welche Skalps er die Verantwortung trägt. Howgh! Stefan Meetschen

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