GLOSSE: Kein Brot, keine Spiele

Der römische Dichter Juvenal – lang, lang ist's her – brachte es auf den Punkt: Erst wählt ein Volk seine Führung, dann wendet es sich mit Grausen von ihr ab und will nur noch panem et circenses. Knapp zwei Jahrtausende später geht es der Bundesregierung irgendwie ganz ähnlich, und deshalb hat sie nun beschlossen, den Spieß einfach mal umzudrehen. Genervt vom endlosen Genöle um Stuttgart 21 und dem ewigen Rummeckern an dem bisschen Klientelpolitik geben Merkel, Westerwelle & Co. fortan gar nichts mehr, jedenfalls nichts, was laut Statistischem Bundesamt nicht unbedingt lebensnotwendig ist. Basta! Tabak und Alkohol – für Hartz-IV-Empfänger ersatzlos gestrichen, für den Rest der Aufmüpfigen nur noch gegen einen ordentlichen Aufschlag. Wollen doch mal sehen, ob wir nicht ein bisschen Zucht und Ordnung in den Laden kriegen. Und falls diese erzieherischen Maßnahmen nicht fruchten – wir können noch ganz anders!

Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf gemahlenen Majoran und Ziermais? Ist ruckzuck auf 19 Prozent, da kann die Opposition schreien, soviel sie will. Die Fußballweltmeisterschaft der Frauen im nächsten Jahr? Nur, wenn vorher in Baden-Württemberg anständig gewählt wird! Und da wir gerade bei diesen widerwärtigen Umfragen sind: Wo steht geschrieben, dass eine Bundesregierung, die vom Volk permanent schlecht benotet wird, diesem auch noch die Hängematte spannen muss? Ja wo leben wir denn?! Weihnachten, Ostern, Pfingsten – auch Feiertage lassen sich im Handumdrehen abschaffen. Und wenn das immer noch nicht reicht, dann lassen wir 2011 und 2012 eben komplett ausfallen. Dann gibt's zwei Jahre lang kein Meckern und es geht direkt ins Wahljahr 2013! Und dann wollen wir doch mal sehen!

Andreas Wodok

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