Glosse: Kein Bedarf an Platzpatronen

Anfang des Jahres wollte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zur Abwechslung mal mit einer positiven Meldung in die Medien: Es ging um 18 neue Marinehubschrauber. Schnell kam der Dämpfer. Das Luftfahrtamt stufte die Hubschrauber als nicht zulässig für Einsätze über Nord- und Ostsee ein. Für Marinehubschrauber ein eher ungünstiges Gutachten. Inzwischen kämpft die Ministerin an einer anderen Front: Sie sieht für das Standard-Sturmgewehr G36 keine Zukunft mehr in der Elite-Truppe Bundeswehr. Nun müssen wir, als altgediente Veteranen, die es im Kalten Krieg nur mit viel Schaum vor dem Mund schafften, das Vorgängermodell G3 auseinander- und wieder zusammenzubauen (von der Trefferquote lieber nicht zu reden) zugeben, dass eine Modernisierung sicherlich von Vorteil wäre. Zumal das Mitte der 1990er Jahre konzipierte G36-Gewehr fern von extremen Einsatzszenarien konstruiert wurde, die inzwischen für Bundeswehrsoldaten bei Auslandseinsätzen durchaus Realität sein können. Aber wieso redet die Ministerin nicht erst einmal mit dem deutschen Hersteller über die technischen Innovationsmöglichkeiten, statt gleich mit lauter Rhetorik durch die Luft zu schießen? Unfreiwillige Munitionsverschwendung? Dabei zeigt der ebenfalls aktuelle Fall des Kampfpanzers Leopard 2, dessen Bestand die Ministerin erneuern möchte, dass es diesem derzeit schon an „ausreichend durchschlagskräftiger Munition“ fehlt. Das ist eben der Unterschied zwischen Militär und Politik: eine Armee braucht mehr als Platzpatronen. Stefan Meetschen

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