GLOSSE: Hundsgemeine Bosheit

An dieser Stelle sei eine hundsgemeine Bosheit erlaubt: Bundesforschungsministerin Annette Schavan sieht so konservativ aus, dass es kein Wunder ist, wenn sie jetzt im Interview sagt, dass es in CDU und CSU überhaupt keinen Anlass gebe, über ein konservatives Profil zu diskutieren. Genau, sie hat es ja.

Der korrekte Haarschnitt auf den Millimeter genau immer gleich, die zurückgenommene Brille, die immer gleichen Kostüme, die elitäre Diktion, der erhobene Zeigefinger, wenn sie den Bundesbürgern die Welt erklärt, wie sie ist und nicht anders sein kann – konservativer kann sich der deutsche Michel eine deutsche Konservative nicht denken.

Denkste. Denn Annette Schavan hat es faustdick hinter den Ohren, also dort, wo der deutsche Michel nicht so gerne hinschaut, wenn er die „Welt am Sonntag“ liest, in der sie notieren ließ: „Wir sind konservativ, wir sind aber mehr. Christdemokratie heißt, die Zeichen der Zeit erkennen und dort neue Wege gehen, wo dies mit Blick auf die eigenen Wertgrundlagen angesichts der Veränderungen der Gesellschaft notwendig ist.“

Genau, ist Mann jetzt boshaft hundsgemein wieder versucht zu sagen. Dann soll sie es doch endlich zeigen, dass sich die Gesellschaft verändert und Mann das ihrem Profil auch ansieht. Dann soll sie halt das Haar fetzig schulterlang tragen mit rosaroten Strähnchen drin. Und eine neue Brille, so eine ganz dicke, globige, viereckige rote Brille mit dickem Rand, das wäre viel authentischer. Und soll sie beschwingt das schwarze Kostüm ausziehen und mal so einen kurzen, luftigen Sommerrock in lila tragen und ein paar Pumps an die Füße schnallen, auf dass das Denken elegant über den intellektuellen Boulevard schweben kann. Ach Mann, ist doch wahr. Johannes Seibel

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