Glosse: Hirn, bedenke das Ende!

Die Gehirne von Politikern sind nicht zu beneiden. Nicht nur, dass von ihnen verlangt wird, ständig vom „Abnick-Modus“ in den „Nachdenk-Modus“ und wieder zurück schalten zu sollen. Nein, sie sollen auch noch ein sicheres Gespür dafür besitzen, wann ihre Partei welchen Modus benötigt. Da offenbar die Synchronisierung von Politiker-Gehirnen noch nicht so weit gediehen ist wie die von Mobiltelefonen, Laptops und Festnetzrechnern, wundert es nicht, dass in der Union derzeit große Uneinigkeit darüber herrscht, welche Konsequenzen sie aus dem Urteil der Verfassungsrichter zur Adoption von Kindern ziehen soll, die in homosexuellen und lesbischen Lebenspartnerschaften groß werden müssen. Dabei könnte alles so einfach sein, wenn die Gehirne der Politiker über einen weiteren Modus verfügten. Einen, der es ihnen gestattete, statt lediglich über etwas nachzudenken, dieses auch einmal zu Ende zu denken. Wer das tut, merkt in dem vorliegenden Fall schnell, dass es nach dem Karlsruher Urteil gar nicht „nur“ darum gehen kann, ob die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare „geöffnet“ wird. Denn mit denselben Argumenten, die die Karlsruher Richter für maßgeblich hielten, müssten auch auf Dauer angelegte bigame, polygame oder gar polygynandre Gemeinschaften Kinder adoptieren können. Wer meint, Kinder seien Personen, auf die nicht jeder Anspruch erheben könne, der nur laut genug nach ihnen verlangt, sollte das bedenken, bevor sein Hirn in den „Abnick-Modus“ schaltet. Stefan Rehder

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