Glosse: Härtetest für das „Friedenslicht“

Von Stefan Meetschen

Der Friede hat es nicht leicht in dieser Welt. Auch für das in vielen sozialen Einrichtungen und Gemeinden Europas beliebte „Friedenslicht“ sind schwere Zeiten angebrochen. Wobei die Probleme weniger, wie man mit Blick auf die Spannungen im Nahen Osten und die israelischen Sicherheitsregelungen erwarten könnte, auf der Strecke Bethlehem-Wien liegen. Die fast 3 000 Kilometer, die das von einem Kind in der Geburtsgrotte Jesu Christi entzündete Licht dabei per Flugzeug absolviert, verbringt es in einer explosionssicheren Lampe. Alle Beteiligten sind über den Inhalt informiert. Auch dieses Jahr landete das „Friedenslicht“ sicher in der Stadt, wo es vor über 25 Jahren vom ORF erfunden wurde. Wunderbar! Ein Zeichen, dass die Sehnsucht nach Frieden keine Grenzen kennt.

Keine Grenzen? Na ja, auf der Zugstrecke Fulda-Hanau kam für die katholischen Pfadfinder, die das „Friedenslicht“ in die Geburtsstadt der Brüder Grimm bringen wollten, dann doch der Härtetest. Ein Schaffner der Deutschen Bahn, allgemein bekannt für ihre Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Kundenfreundlichkeit bei Hitze, verwies das „Friedenslicht“ wegen Brandgefahr von der Strecke. Unter Androhung eines Polizeieinsatzes musste die 15-köpfige Pfadfindergruppe schon in Wächtersbach aussteigen. Für die auf das „Friedenslicht“ Wartenden blieb es erstmal dunkel. Und das, obwohl für die Mitnahme des Lichts eine schriftliche Genehmigung der Deutschen Bahn AG vorliegt. Schade. Doch kein Grund, jetzt einen Shitstorm gegen den Schaffner zu starten. Im Gegenteil. Ein Peacestorm ist angebracht, damit sich das Licht auch bei der Bahn immer mehr ausbreite. Pax vobiscum.

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