GLOSSE: Grüße aus dem Sommerloch

Es ist Sommer. Da befinden sich auch die Menschen, die sonst für Schlagzeilen sorgen, im Urlaub. Weil aber Zeitungen das ganze Jahr über erscheinen, suchen Journalisten nun angestrengt nach Themen, die „tragen“. Diesmal fällt das besonders schwer. Das Bohrloch im Golf von Mexiko ist so gut wie versiegelt und dass Frank Schirrmacher mit Neil Armstrong gesprochen hat, trägt – obwohl es nur ein kleiner Schritt für ihn, aber ein großer für Menschheit war – auch nur einen Tag. Weit und breit ist kein Krokodil bereit, aus seinem Gehege auszubrechen und die Welt ringsherum in Schrecken zu versetzen. Bloß Jörg Kachelmann wandelt wieder auf freiem Fuß. Was für eine großartige Gelegenheit für Katholiken einmal für Substantielles zu sorgen. Das dachte sich wohl auch Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), als er jetzt der Redaktion der „Rheinischen Post“ ein Interview gab. Was hätte man da alles unterbringen können: Stoff, der über Wochen trägt. Zum Beispiel, dass Katholiken im Urlaub auch die Möglichkeit besäßen, all das zu tun, wozu ihnen Alltag und verschlossene Kirchen oft wenig Gelegenheit bieten: Ausgiebig zu beten und die Sakramente zu empfangen, um die oft vernachlässigte Beziehung zum „Bruder Christus“ wieder ins Lot zu bringen. Stattdessen beklagte Glück bloß eine „Wagenburgmentalität“ der katholische Kirche, die sich im Umgang mit Themen wie der Sexualmoral und dem Zugang zu kirchlichen Ämtern zeige. Schwer zu sagen, welche katholische Kirche Glück meint. Sollte er aber die real-existierende gemeint haben, ist eines sicher. Zeitungen kann Alois Glück in letzter Zeit nicht viel gelesen haben. stefan rehder

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