Glosse: Formel für ein langes Leben

Ein biblisches Alter erreichen, wer wollte das nicht? Zumal die Heilige Schrift damit einhergehend eine erstaunliche Schöpferkraft dokumentiert: „Als Methusalah 187 Jahre alt war, zeugte er den Lamech. Und nachdem Metusalah den Lamech gezeugt, lebte er noch 782 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. So betrug Methusalahs ganze Lebenszeit 969 Jahre; dann starb er.“ 969 Jahre Lebenszeit, ungebrochene Fertilität – soweit sind wir natürlich heutzutage noch nicht, obwohl es der demographischen Entwicklung sicher guttäte. Immerhin: Die Lebenserwartung steigt dennoch enorm. Wissenschaftler der Universität Rostock haben festgestellt, dass die Zahl der 100-Jährigen in Deutschland extrem ansteigen wird. Die Babies von heute, so die Forscher, seien die 100-Jährigen von morgen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: bessere medizinische Versorgung, größeres Gesundheitsbewusstsein.

Auch Forscher der Universität Cambridge kommen zu diesem Ergebnis. Sie haben dazu die Formel für ein langes Leben gefunden: Sport und Bewegung seien wichtig, Gehirnjogging, gesunde Ernährung (wenig Zucker und Fett!), solide Freundschaften (außer mit der Sonne und Zigaretten), viel Schlaf, wenig Stress. Das klingt überzeugend. Wundern mag man sich aber doch, dass bei soviel Anstrengung, die Kultur des Längerlebens zu pflegen, die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz eher vernachlässigt wird. Frei nach Cicero: „Solange ich atme, hoffe ich.“ Aber worauf? Den zwanzigsten Kanzlerkandidat? Den fünfzigsten Bundestrainer? Das hundertste Dschungelcamp? Zurück auf Niveau. Langes Leben kann niemals ewiges Leben ersetzen. Der ultimative Gesundheitsfaktor bleibt die Unsterblichkeit.Hendrik ter Mits

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