Glosse: Explosion der Trivialität

Im neuen Buch des britischen Historikers Peter Burke, der lange Zeit an der Universität Cambridge tätig war, finden wir gewisse Vorbehalte gegenüber der Informationsgesellschaft bestätigt. So schreibt Burke, der mit dem deutschen Buchtitel „Die Explosion des Wissens. Von der Encyclopedie bis Wikipedia“ sehr zufrieden sein soll, darin, dass die Ausbreitung des Wissens zwar rasant verlaufe, aufgrund der hohen Geschwindigkeit jedoch zwangsläufig „trivial“ werde. Gesucht werde stets der „kleinste gemeinsame Nenner“, was jedoch nicht heiße, dass die Menschheit dadurch zwangsläufig am Ende der Geschichte des Wissens angelangt sei. Ganz gewiss nicht! Das dokumentiert auch die holprige Landung der Raumsonde „Philae“ auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko. Drei Versuche – da geht, was das technologische Wissen betrifft, sicher noch was. Bei allem Respekt vor den Ingenieuren der Kometen-Mission. Zumal diese Mission ein ziemliches ehrgeiziges Erkenntnisziel verfolgt: Geht es doch darum, den „Urstoff“ des Lebens zu entdecken, Wasser und Biomoleküle. Die Forscher nehmen an, dass sich in dem Kometen diese aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems stammenden Bausteine erhalten haben könnten. Was bei Schnellwissern flugs zur Behauptung führte, dass das Leben also nicht durch Gott, sondern durch eine kosmische Ursuppe mit einem Löffel Blitzentladung entstanden sei. Eine solche Vermengung von Naturwissenschaft und Glaube ist allerdings „trivial“, weil sie das „wie“ mit dem „wozu“ verwechselt. Burke hat recht. Stefan Meetschen

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