Glosse: Ein echter Krisen-Manager

Von Stefan Meetschen

Jeder weiß es: Deutschland ist das Hightech-Wunderland der Welt. Wir bauen die besten Kühlschränke, die besten Autos und die besten Züge. Wir haben alles im Griff, außer vielleicht den Bau von Flughäfen und Bahnhöfen, aber selbst auf derartig schwierigem Terrain verfügen wir über Spezialisten und Krisenmanager, wie beispielsweise Hartmut Mehdorn, der seit Mitte März Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) ist. Dass Mehdorn sein Krisen-Handwerk versteht, hat er bereits bei der Bahn und bei der Fluggesellschaft Air Berlin bewiesen. Massenentlassungen, ein chaotisches Preissystem – Mehdorn zeigte, wie man aus Lokomotiven und Schienen ein Dauerreizthema macht. Auch bei Air Berlin bewies der drahtige Mann, dass Luftfahrt und Luftakrobatik kein Widerspruch sein müssen. Wachstum, Wachstum, Wachstum. Nach dreizehn Monaten wurde Mehdorn vom Verwaltungsrat aus dem Cockpit gestiegen. Saniert wirkt Air Berlin immer noch nicht. Die Krise blieb – auch so kann man erfolgreiches Krisen-Management verstehen. Vielleicht auch, um die ersten Ideen Mehdorns auf dem Pannenflughafen BER einzuordnen. Mehdorn denkt über die verlängerte Öffnung des Flughafens Tegel nach, und er will die von der Flughafengesellschaft geschassten und auf mehr als 80 Millionen Euro Schadenersatz verklagten Architekten und Planer wieder zurück ins Boot, äh, in den Tower holen. Für Irritationen ist gesorgt. Doch das zeichnet einen echten Krisen-Manager aus. Keine Denkverbote. Und: Ein Fehler mehr stört niemand.

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