Glosse: Ein Buch für eine „Basta“-Kanzlerin

Sein „Nein“ zum Irak-Krieg lehnte sie ab, die „Agenda 2010“ hielt sie für keinen großen Wurf – doch eine neue Biographie über Altkanzler Gerhard Schröder, verfasst von dem Historiker Gregor Schöllgen, scheint Bundeskanzlerin Angela Merkel gefallen zu haben. Heute wird sie das Buch in Berlin vorstellen. Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der legendären „Elefantenrunde 2005“, in welcher der mit viel Krawall-Lust aufgepumpte „Basta“-Kanzler Merkel die Regierungsfähigkeit absprach („Nun wollen wir doch die Kirche auch mal im Dorf lassen“). In der Tat: Merkels Wahlergebnis war damals bescheiden. Bis auf ein Prozent war der als erledigt geltende Einzelkämpfer Schröder an Merkels CDU herangerückt: 34, 2 Prozent. Für heutige SPD-Maßstäbe ein Traumergebnis. Ist das vielleicht der Grund, wieso kein Sozialdemokrat die Biographie vorstellt? Tatsächlich gilt das Verhältnis Schröder-SPD bis heute hin als angespannt; und dass Merkel auch Sozialdemokratin kann, hat sie in den zurückliegenden Jahren bewiesen. Wenn ihr auch bisher ein echter „Schröder-Moment“ (Weltwoche) fehlt. Eine große Krise, die sie mit Führungswillen und Mut zu unpopulären Entscheidungen meistert. Will Merkel also vielleicht gar nicht nur das Buch vorstellen, sondern sich vor dem EU-Sondergipfel am Mittwoch, der sich um die Flüchtlingskrise drehen wird, ein bisschen „Vermächtnis“-Nachhilfe bei ihrem polternden Amtsvorgänger holen? Spätestens in zehn, zwanzig Jahren, wenn Merkels Nachfolger ihre Biographie präsentiert, wissen wir mehr. Stefan Meetschen

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