Glosse: Dreigestirn in der Moschee

Von Stefan Meetschen

Humor schafft Brücken. Das dachten drei rheinländische Karnevalisten, die – wie Welt-Online berichtet – ein Foto-Shooting in einer Hürther Moschee für eine gute Integrationsidee hielten. In der Gebetsnische des Imams ließen sich die Jecken (Prinz Patrick I., Bauer Peter, Jungfrau Theodora) fotografieren und um der Brücke des Humors Stabilität zu verleihen, hielten sie dabei ihre zivil bekleidete Übersetzerin vor ihren bunten Kostümen in der Schwebe. Jede Verwechslungsgefahr mit Femen ausgeschlossen. Einmal lächeln bitte! Der Kölner „Express“ druckte das Foto und seitdem sieht sich das Dreigestirn wilden Beschimpfungen und sogar Morddrohungen ausgesetzt. Was nicht mehr lustig und für die Integration hinderlich ist. Aiman Mazyek, Vorsitzender der Muslime in Deutschland, findet das Foto „ungünstig“. Der Hürther Moschee-Vorstand fürchtet, dass die Aktion, die so nicht gestattet gewesen sei, negative Wellen bis in die Türkei schlagen könne. Inzwischen haben sich die Narren für das „Missverständnis“ entschuldigt. Man darf ihnen wünschen, dass die Zahl der Drohmails, die sie erhalten, wieder abebbt. Was aber ist die Ursache für das gescheiterte Humorangebot? Verschiedene kulturelle Auffassungen davon, was lustig ist? Die Verwechslung des Profanen mit dem Sakralen? Naivität, gepaart mit einem zu weit ausgelegten Toleranzbegriff („Jeder Jeck ist anders“)? Morddrohungen sind sicher kein probates Mittel der religiösen Erziehung; wenn aber die Spaßgesellschaft durch Muslime den Respekt vor religiösen Gefühlen neu lernt, wäre dies viel.

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