Glosse: Doppelter Wahnsinn

Als Europäer tut man gut daran, sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, Amerika tickt anders. Dass der große Bruder beim Telefonieren zuhört, Emails mitliest und Bewegungsprofile hortet, nun ja, unter Freunden geht das gar nicht. Aber wer wollte sich unbotmäßig ärgern und die Freundschaft belasten? Nein, mit ein bisschen Toleranz sehen wir darüber hinweg. Mangelnde Toleranz unter Freunden: Das geht gar nicht. Darum machen wir den Mund auch lieber für Chlorhühner auf, als für kritische Worte. TTIP-Kritik unter Freunden: Das geht gar nicht. Wo wir gerade beim Thema Mund aufmachen sind, kommt uns Donald Trump in den Sinn. Der Mann macht den Mund ständig weit auf. Allerdings nicht für Chlorhühner, sondern für seinen eigenen Stuss, gegen den jedes Chlorhuhn eine wahre Wohltat ist.

Dass Trump, wenn er den Mund öffnet, entsetzlich viel Stuss produziert, hindert ihn nicht daran, US-Präsident werden zu wollen. Lange galt der Bau-Milliardär sogar als eine Art Überraschungsfigur im Lager der Republikaner. Trump sorgte mit seinen verbalen Entgleisungen für Schlagzeilen und grub seinen Mitbewerbern das Wasser der öffentlichen Aufmerksamkeit ab. Kürzlich ist er zu weit gegangen. Da warf er einer Journalistin, die ihm kritische Fragen stellte, Menstruationsprobleme vor. Jetzt bricht die Unterstützung ein. Sein Berater ist weg, unter Republikanern wird Trump ausgeladen. Hat es sich also ausgetrumpt?

Leider nein. Denn Trump ist doppelt wahnsinnig: Wahnsinnig reich und reichlich wahnsinnig. Wenn er wahr macht, womit er kokettiert, als parteiloser Kandidat anzutreten, haben die Republikaner ein Wahnsinnsproblem. Und Hillary Clinton kann sich wahnsinnig freuen. Amerika ist einfach anders. Im Wahlkampf ganz besonders. Til R. Schneider

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