Glosse: Die Zukunft der Glosse

Einer Glosse über das Schreiben von Glossen haftet – das lässt sich nicht leugnen – etwas unangenehm Selbstreferentielles an. Andererseits gibt es aber Fragen, die für Leser und Autoren von Glossen derart existenzielle Bedeutung besitzen, dass Konsumenten und Produzenten dieser journalistischen Darstellungsform kaum umhin können, auch einmal in diesen sauren Apfel zu beißen. Eine Frage, die sich nämlich beiden Gruppen gleichermaßen stellt, lautet: Muss die Glosse nicht in einer Welt wie der unsrigen als dem Tode geweiht gelten? Jedenfalls dann, wenn es richtig ist, dass die Glosse durch gezielte Übertreibung ein real existierendes Problem zu markieren sucht, das andernfalls übersehen zu werden droht. Anders formuliert: Wie kann die Zukunft der Glosse in einer Welt gesichert werden, die so gut wie alles von selbst auf die Spitze treibt? So sehr, dass dem Glossenschreiber kaum noch etwas bleibt, das von ihm übertrieben werden könnte? Gut möglich also, dass es in der Welt von morgen gar keine Glossen mehr geben wird. Zumindest keine, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Welt von übermorgen aussehen könnte. Aber vielleicht ist das dann auch nicht so schlimm? Über die Gestalt der Zukunft nachzudenken, lohnt sich schließlich nur dort, wo es etwas wie Zukunft auch geben kann. Das aber scheint in der Welt von morgen sehr wahrscheinlich unwahrscheinlich zu sein. Jedenfalls dann, wenn die Welt von heute so bleibt, wie sie sich – ganz ohne Übertreibung – präsentiert. Stefan Rehder

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